Mittwoch, 11. Juli 2012

4. Bericht: Von Dawson City über den Top of the World Highway nach Alaska, über den Dalton Higway nach Prudhoe Bay und zurück nach Fairbanks

2.7. - 10.7.2012 / 2400 km

Liebe Freunde
Nach einem letzten Blick zurück auf Dawson City zogen wir bei herrlich klarem Wetter weiter über den Top of the World Highway, der seinem Namen an diesem Tag alle Ehre machte.



Bei der gottverlassenen Grenzstation Poker Creek liessen uns die Zöllner ohne jegliche Probleme nach USA hinein. In Downtown Chicken (23 Einwohner im Sommer, 7 im Winter!) stärkten wir uns mit einer hausgemachten Chicken Pie, bevor wir den Rest der Tagesetappe nach Tok unter die Räder nahmen. 


Die Fahrt von Tok über Delta Junction – dem offiziellen Ende des Alaska Highways – nach Fairbanks bei bedecktem Himmel war nicht besonders spannend, doch immerhin erwies uns ein Elch noch die Ehre.





 















Nachdem wir unsere Vorräte in Fairbanks kräftig aufgestockt hatten, machten wir uns auf den 800 km langen Weg über den berühmt-berüchtigten Dalton Higway nach Prudhoe Bay. Der „Milepost“ warnt in abschreckenden Worten vor den vielen Gefahren auf dieser Strasse, den fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten, etc.- wir haben sie zum Glück nicht so erlebt! Nach der gut 100 km langen Anfahrt auf dem Elliott-Higway bogen wir auf die Schotterstrasse ein und wurden schon bald in Bann geschlagen durch die wundervollen Ausblicke, die endlosen Weiten und die unberührte Wildnis!












Der Highway folgt zwar der Trans-Alaskapipeline, doch diese ist über weite Strecken in grosser Distanz von der Strasse, gar nicht sichtbar oder stört das Bild nur unbedeutend. Auf und Ab rollten wir, zuerst durch bewaldete Gebiete, wo auf Lichtungen grosse Felder mit blühenden Weidenröschen leuchteten.

 











Nach Überqueren des hier zu einem mächtigen Strom angewachsenen Yukon standen wir schon bald am Polarkreis.







Neben den gewaltigen Trucks, die uns begegneten oder überholten, sind auf dem Highway relativ wenige Touristen in Autos, dafür recht viele Töff-Fahrer unterwegs, für die der Dalton Hwy wohl etwas vom Grössten ist.

Hinter Coldfoot, einer von 2 Stationen mit Tankstelle, Restaurant und Übernachtungsmöglichkeit folgt die Strasse dem Koyukuk River in die Berge der Brooks Range.

Vor dem Atigun Pass - mit nur 1440 m höchster Strassenpass Alaskas - überschritten wir die Grenze zu North Slope Borrough, der mit ca. 250'000 km2  (fast 6x die Fläche der Schweiz) grössten „Gemeinde“ der Erde, mit 6800 Einwohnern allerdings wohl auch die am dünnsten besiedelte! Gleichzeitig passierten wir die nördlichste Fichte Alaskas und statt Bäumen waren nur noch niedrige Büsche zu sehen. Auf dem Pass herrschten dann wegen der nördlichen Lage schon alpine Verhältnisse, die Blumen begannen eben zu blühen.




Auf der Weiterfahrt durch ein weites Tal wurde die Vegetation immer karger und in der Ebene waren wir definitiv in der arktischen Tundra angelangt. Bei wolkenlosem Himmel rollten wir über die mit Calciumchlorid behandelte Piste (gegen Staubentwicklung), die zwar gut zu befahren war, den Camper jedoch mit einer hartnäckigen Dreckschicht versah, wie wir bei der Grossreinigung in Fairbanks feststellen konnten.




In der Ferne tauchte dann die Silhouette von Deadhorse oder Prudhoe Bay auf, ein Ort der ganz besonderen Art.




So wie die meisten der etwa 6000 Bewohner nur temporär da sind (2 Wochen Arbeit, 2 Wochen frei), sind auch die Behausungen gebaut- ein- bis 3-stöckige Containerbauten, auf Pfählen mit guter Bodenisolierung, damit der Permafrost nicht auftaut. Dazwischen Lagerhäuser und Abstellplätze für jede nur erdenkliche Art von Geräten, Maschinen, Fahrzeugen, Chemikalien, Druck- und Dampferzeuger - einfach alles was zur Oelförderung nötig ist. Ja, hier dreht sich wirklich alles ums Erdöl, das immer noch in rauhen Mengen gefördert wird. Täglich fliessen 500'000 Barrel Rohöl durch die Trans-Alaskapipeline (zu Spitzenzeiten waren es über 2 Mio. Barrel), und dieser Strom dürfte noch nicht so rasch abreissen. Gemäss Info von unserem Tourleiter reicht der Vorrat noch für mindestens 50 Jahre, da ständig neue Oelfelder entdeckt und erschlossen werden.
In der Nacht, in der es dank Mitternachtssonne nie dunkel wurde, legte sich der für diese Jahreszeit übliche Nebel über Prudhoe Bay, so dass wir die geführte Tour zur Beaufort Sea (nur so gelangt man durch das Sperrgebiet dorthin) bei trübem Wetter unternahmen. Das Bad im Arktischen Meer reduzierten wir auf ein Fussbad, nicht wegen der Temperatur, sondern weil es ausdrücklich verboten ist und da der zähe Schlick gar nicht einladend war!
Vom Grizzlybär, der sich offensichtlich hier herumtreibt, sahen wir leider nur die Spuren. Dafür trottete auf der Rückfahrt ein Bär über die Strasse, verschwand aber rasch im Gehölz, so dass wir ihn nicht im Bild festhalten konnten.


 





















Und nun konnten wir richtig zu unserer grossen Panamericana-Fahrt nach Süden starten! Schon bald liessen wir den Küsten-Nebel hinter uns und rollten bei herrlichem Sonnenschein durch die endlose Tundra-Ebene in Richtung Brooks Range.



Nach einem kräftigen Regenguss, der dank dem Dreck einer mehrere Kilometer langen Baustelle deutliche Spuren auf unserer PanamBox hinterliess, überquerten wir wieder den Atigun-Pass und übernachteten an einem Bach neben einem einsamen Flugfeld.
Die Rückfahrt war fast ebenso spannend wie die Hinfahrt, da sich wieder neue Perspektiven auftaten, bei anderen Wetter- und Licht-Bedingungen. Ein Besuch in Wiseman, einem Ort mit 15 Einwohnern, wo noch Gold geschürft wird, gab uns einen Einblick in eine Welt-(dank Kapelle jedoch nicht Gott-)verlassene Siedlung, in der die Uhren noch deutlich langsamer zu ticken scheinen!

 
















Nach langer Fahrt und feinem Steak in Fairbanks sanken wir am Abend müde, doch sehr zufrieden in unsere bequemen Betten.

Die vergangenen zwei Tage waren dem Ausruhen und „Retablieren“ mit (Auto-)Wäsche, Einkauf, Lesen gewidmet. Dazwischen unternahmen wir eine Tour mit einem Raddampfer auf dem Chena-River – absolut im touristischen Main-Stream, doch dank Demonstration eines Wasserflugzeugs, Besuch bei einer Schlittenhunde-Station und einem Open-Air Museum mit einem nachgebauten Dorf der Athabasca-Indianer recht unterhaltsam und informativ.




Nun geht's jetzt weiter Richtung Denali Nationalpark, heute wieder bei herrlichem Sonnenschein!
Herzliche Grüsse aus Fairbanks von euren nun echt auf der Panamericana fahrenden
Ernst & Vreni



2 Kommentare:

  1. Hallo ihr zwei Reisevögel

    Also die Fotos sehen einfach grandios aus! Da kommt mir (Thomas) natürlich sofort unsere Reise 1996 wieder in den Sinn! Diese Weiten sind einfach unglaublich und für uns Europäer immer wieder unvorstellbar. Wir sind gespannt wie es uns in Namibia diesbezüglich gehen wird ;-)!
    Super das es euch so gut geht und ihr ohne Pannen über die Schotterpisten gekommen seid!
    Wir freuen uns schon auf weitere Fotos und Abenteuer von euch!

    Hier in der CH alles bestens und alle sind wohl auf!

    Liebe Grüsse und hebed Sorg
    Thomas & Sarah

    P.S.: Vielen Dank für die Postkarte aus Down Town Chicken... der Ort wo der Bär tanzt ;-)

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  2. Hallo ihr Vier,

    wir lesen immer wieder fasziniert eure Reiseberichte und freuen uns auf den nächsten, obwohl wir dabei ein wenig neidisch werden. Wenn uns aber der Alltag wieder hat, legt sich dieses Gefühl wieder (es ist so schön, eine Aufgabe zu haben und nicht planlos in der Welt herumzufahren, oder täusche ich mich?). Weiterhin viel Schönes und Spannendes auf der Panam. Vielen Dank für eure Karte aus Dawson Creek, Wir haben uns sehr gefreut.

    Liebe Grüße

    Evi und Georg

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