Dienstag, 11. Juni 2013

24. Bericht: Von Buenos Aires nach Ruswil und mit dem Camper von Hamburg nach Hause
12.4. - 13.4.  und  7. – 14.5.2013 / ca. 1000 km im Camper
Liebe Freunde
Vor einem Jahr waren wir bereits unterwegs auf unserer grossen Fahrt durch Kanada, vor einem Monat haben wir unsere PanamBox in Hamburg abgeholt – höchste Zeit also für den letzten Bericht zu unserer einmaligen Panamericana-Traumreise!
Nach Abschluss des letzten Berichtes in Buenos Aires fuhr gleich das Taxi vor und brachte uns zum Flughafen Ezeiza. Dort hatten wir genügend Zeit für einen gemütlichen Jass mit Elsbeth und Paul, bevor wir den Airbus der Aerolineas Argentinas nach Rom bestiegen. Der Flug in der vollen Businessklasse verlief ruhig. Das einzige Problem war das sehr spät servierte Nachtessen, das ich wegen des bereits eingeworfenen Stilnox‘ nur teilweise mitbekam… Beim Anflug auf Rom staunten wir über die verschneiten Berge auf Korsika und die so grünen Felder.

Nach 3-stündigem Zwischenhalt in Rom, den wir uns wieder mit Jassen verkürzten, ging’s in einem Nachtflug mit Swiss nach Zürich, wo uns unsere Kinder mit Frauen, Brida und Markus, Ursi und Heinz einen phantastischen Empfang bereiteten.



Mit Sekt stiessen wir auf unsere glückliche Heimkehr an – später chauffierten uns Thomas und Urs sicher nach Hause.
Zuhause war alles in bester Ordnung – Cécile und Beatrice hatte sehr gut zum Haus geschaut -, doch es gab noch Einiges aufzuarbeiten und zu erledigen, neben den vielen Bildern, die zu sichten und für Diashows auszuwählen waren.
Am Dienstag, 7. Mai stiegen wir wieder in den Flieger nach Hamburg. Wir bezogen Quartier im Motel One und erkundeten am folgenden Tag die Stadt, mit einer Führung durch das imposante Rathaus, einem Bummel durch die Speicherstadt


und einem Besuch im einzigen Gewürzmuseum der Welt.


Dabei entdeckten wir auch die „Grande Costa d’Avorio“, die unseren Camper an Bord hatte. Auf Anfrage erklärte uns Seabridge aber, dass wir diesen erst nach dem Feiertag am 10. Mai abholen könnten.
Abends besuchten wir das Musical „Tarzan“, das vor Allem durch die spektakulären Akrobatik- und Tanzeinlagen begeisterte.
An Christi Himmelfahrt fand mit der grossen Einlaufparade der Auftakt für den jedes Jahr gefeierten Hamburger Hafengeburtstag statt, den wir uns natürlich nicht entgehen liessen. Auf einem Mississippi-Raddampfer

fuhren wir den weit über 100 einlaufenden Schiffen entgegen, deren Palette von Lösch-Booten und Schleppern, mächtigen Segel-Viermastern, historischen Kähnen, Kreuzfahrtriesen und Kriegsschiffen bis zum Protest-Floss reichte.








Am 10. Mai konnten wir nach etwas Wartezeit unsere PanamBox in Empfang nehmen – genau ein Jahr nach der Ablieferung für die Verschiffung nach Halifax! Die Freigabe war kurz und einfach, vom Zoll interessierte sich niemand für den Inhalt des Campers – wir hätten ihn also mit Schmuggelware vollstopfen können! Nach Montage der Original-Autonummern rollten wir los Richtung Süden.
In Paderborn besuchten wir unsere Reisefreunde Heidrun & Winfried, die uns sehr freundlich empfingen und kulinarisch verwöhnten. Auf einer kleinen Velotour besuchten wir die schöne Stadt, und nachmittags ging’s zum mächtigen Denkmal für Hermann den Cherusker.




Nach einem kurzen Zwischenhalt in Bamberg

bezogen wir in Haimhausen bei Evi und Georg Quartier, den Eltern von Urs‘ Verlobter Regina, die uns herzlich empfingen und bewirteten. Ein Besuch der Neuen Pinakothek mit der grossartigen Sammlung von Bildern aus dem 19. Jhdt., ein Stadtbummel durch München und ein gemütliches Nachtessen, mit Urs & Regina, rundeten den schönen Besuch ab.
Am 14. Mai legten wir die letzten Kilometer unserer grossen Reise mit der PanamBox zurück und kamen froh und zufrieden in Ruswil an. Danach ging’s ans Ausräumen und Putzen unseres Gefährts, das für fast ein Jahr unser Zuhause war.
Trotz einiger Nerven fordernden technischen Problemen in den letzten 2 Monaten hat uns der Nissan ausgezeichnete Dienste geleistet. Wir sind 63‘000 km gefahren, haben bei einem Durchschnitt von 12.4 l pro 100 km insgesamt 7‘770 Liter Diesel verbraucht. Da wir das Auto wegen des gebrochenen Rahmens weder in der Schweiz noch in Deutschland durch die Motorfahrzeugkontrolle bringen können, haben wir die Kabine mit dem Auto an den Tischer-Vertreter in der Schweiz verkauft.
Schon mehrmals kam die Frage auf: Was würden wir rückblickend anders machen? Bei der Reise praktisch nichts! Beim Camper hat sich die Kombination von Nissan Navarra als Basisfahrzeug mit der fest montierten Tischer-Kabine sehr bewährt - allerdings würde ich mit den Erfahrungen einen neuen Nissan kaufen und die Karosserie vor Beginn der Reise verstärken lassen. Damit könnten die Probleme mit Kupplung, Getriebe, Radlagern vermieden werden, und ein Chassisbruch wäre sehr unwahrscheinlich. 
Damit ist unser Abenteuer Panamericana zu einem glücklichen Ende gekommen. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir unsere grossartige Reise bei bester Gesundheit geniessen durften. Die phantastischen Eindrücke und Erlebnisse werden uns noch lange begleiten.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit euch und schicken ganz herzliche Grüsse, Eure
Ernst & Vreni nach Panamericana

Freitag, 12. April 2013


23. Bericht: Von Ushuaia durch Patagonien und die Pampa nach Buenos Aires – ein Abschluss nach Mass!
26.3. - 12.4.2013 / 5'500 km

Liebe Freunde

Kurz vor unserem Abflug in die Heimat folgt wie angekündigt noch der letzte Bericht aus Südamerika.

Nach unserer glücklichen Ankunft in Ushuaia

unternahmen wir statt der wegen des starken Windes abgesagten Fahrt im Beagle-Kanal einen Abstecher in den Nationalpark Tierra del Fuego. Flora und Fauna dieses schönen Parks genossen wir auf einer kleinen Wanderung an der Lapataia Bucht







und an der Zapategui Bucht,


Der Besuch im Presidio Museum im ehemaligen Gefängnis, in dem bis zu 600 Häftlinge sehr weit weg von der Zivilisation ihre Strafe abbüssten



gab uns nicht nur einen guten Einblick in das Leben im Gefängnis, sondern auch in die Geschichte der Schiffahrt in den Gewässern um Feuerland und in die Fauna am „Ende der Welt“.
Bisher war uns noch nicht bekannt, dass sich unser Freund H.J. Schlegel nicht nur im Pharmamarketing, sondern auch in der Zoologie der Pinguine einen Namen gemacht hat!

Am folgenden Morgen klarte der Himmel nach einer regnerischen Nacht rasch auf und die Fahrt mit dem Segelschiff fand statt – wegen praktischer Windstille allerdings nur mit Motor statt mit Segeln!



Gemütlich zog das Schiff über das ruhige Wasser, vorbei an einigen schwimmenden Magellanpinguinen

zu einer kleinen Insel, auf der wir aus nächster Nähe Hunderte von Seelöwen, Kormoranen und andere Wasservögeln beobachten konnten.





Bei der „Isla H“ legten wir an und erkundeten auf einem kleinen Rundgang die spezielle Flora in diesem üblicherweise sehr rauhen Klima.









Auch einige Spuren der einheimischen Yamana, Meeres-Nomaden die nach Ankunft der Weissen bald ausstarben, waren zu bewundern.

Im schönen Abendlicht verliessen wir Ushuaia und rollten zur Estancia Harberton, wo wir am Rio Varela einen wunderbaren, sehr ruhigen Übernachtungsplatz fanden.



Am Morgen ging's auf einem Spaziergang an den Beaglekanal





und anschliessend liessen wir uns durch die Estancia Harberton führen. Diese erste Estancia im argentinischen Teil Feuerlands wurde 1886 von Thomas Bridges gegründet, der als Missionar nach Ushuaia kam und sich intensiv mit der Sprache der Yamanas befasste. Als Dank für seine Tätigkeit erhielt er von Präsident Roca 20'000 ha Land, auf dem er eine Schaffarm aufbaute.





Das immer noch erhaltene Haupthaus der Estancia stammt aus dem englischen Harberton, wo es Stück um Stück abgebaut, numeriert und in Feuerland wieder aufgebaut wurde.

Nach diesem interessanten Besuch ging's zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nordwärts und wir rollten auf dem gleichen Weg zurück, überquerten zum letzten Mal die Grenze nach Chile, an der uns zum Abschluss prompt noch 4 tiefgefrorene Steaks beschlagnahmt wurden! Nach einer recht windigen Nacht fuhren wir der „Bahia Inutil“ entlang – auf der wir von der Strasse aus Delphine beobachten konnten –

nach Porvenir und mit der Fähre über die Magellanstrasse nach Punta Arenas.

Nach kurzem Halt für einen Einkauf im Zollfreilager rollten wir gleich weiter nach Norden. Da wir es nicht zu stark „schruppen lassen“ wollten (Erklärungen sind willkommen!),

nahmen wir die asphaltierte Strasse und erreichten beim letzten Tageslicht Puerto Natales.


Den Nationalpark Torres del Paine, in dem wir ursprünglich etwa 3 Tage geplant hatten, mussten wir aus Zeitmangel links liegen lassen und konnten die Berge nur mit Tele photographieren.

In El Calafate buchten wir eine Schiffstour für den folgenden Tag und zogen gleich weiter zum Lago Roca, mit schönem Campingplatz direkt am See.

Der Ostersonntag begann wolkenlos und wir holperten bei wundervollem Morgenlicht nach Punta Banderas, begrüsst von über einem Dutzend (Oster-)Hasen an der Strasse.

Ein vollbesetzter, komfortabler Katamaran brachte uns in zügiger Fahrt über den Lago Argentino in die Nähe des Upsala Gletschers, wo uns die in herrlicher Sonne blau schimmernden Eisberge begeisterten.











Das nächste Ziel war der Spegazzini_Gletscher, mit seiner über 130 m hohen, in den See abbrechenden Eisfront.




Unterwegs fischte die Besatzung kristallklares Eis aus dem Wasser, das zerkleinert und zur Kühlung von Drinks benutzt wurde.

Den letzten Halt der 7-stündigen Schiffsfahrt bildete der „Glaciar Perito Moreno“, sicher der berühmteste der patagonischen Gletscher.




Nach ausgiebiger Bewunderung der eindrücklichen, über 1 km langen Eiswände, aus denen ständig kleinere oder grössere Brocken ins Wasser krachen, bestaunten wir den Gletscher auch noch von der Aussichtsplattform am Land aus.




Nach einer Übernachtung in El Calafate – mit feinem Steak als Osterdinner – zogen wir, erneut bei fast wolkenlosem Himmel weiter Richtung El Chaltén. Der imposante, 3445 m hohe Cerro Fitzroy war schon aus 200 km Entfernung gut zu erkennen



und je näher wir kamen, umso imposanter wirkte das grossartige Massiv von Fitzroy, Cerro Torre mit den weiteren Granitnadeln.




Etwa 10 km hinter der „Capital del Trekking“ El Chaltén unternahmen wir einer kleine Wanderung durch den in herrlichen Herbstfarben leuchtenden Südbuchenwald





und fanden am Fusse des Fitzroy ein ruhiges Übernachtungsplätzchen.

Am Morgen leuchtete der Fitzroy in schönstem Licht


als wir loszogen zu einer langen, wunderschönen Wanderung zur Laguna Torre.

Wir marschierten durch abwechslungsreiche Wälder, fast immer mit Blick auf das immer näher rückende Cerro Torre Massiv






und nach 3 Stunden tauchte hinter einer Moräne plötzlich die grossartige Laguna Torre auf.



Im mit kleinen Eisbergen übersäten See spiegelten sich die imposanten Granitzacken wunderbar – und das alles praktisch ohne Wind!






Auch der Rückweg war ein Genuss, auch wenn er bei unserer nicht mehr so guten Kondition etwas in die Beine fuhr.

Noch am gleichen Abend rollten wir zurück Richtung Calafate. Etwas schweren Herzens wählten wir statt der Ruta 40, die über weite Strecken noch Schotterstrasse ist, die längere aber raschere Strecke über die asphaltierte Ruta 3 dem Atlantik entlang. In langen Tagesetappen von 700 – 800 km ging's bei teils starkem Seitenwind dem Atlantik entlang durch die einsame patagonische Steppe


über Rio Gallegos und Comodoro Rivadavia zur Peninsula Valdes. Nach einem Besuch der Seelöwen-Kolonie




stellten wir unsere PanamBox bei Pardelas direkt ans Meer




und wurden in der Nacht vom stürmischen Wind kräftig durchgeschüttelt.

Am nächsten Morgen erhofften wir uns an der Ostküste oder bei Punta Norte eine Begegnung mit See-Elefanten und Orcas, doch neben einer kleinen Pinguinkolonie, einigen Seelöwen und einem (Touristen-)Gürteltier war leider nichts zu sehen.




Also zogen wir nach einem Imbiss in der Estancia San Lorenzo – nicht mit dem zu Unrecht gerühmten, meist zähen „Cordero Patagonico“

wieder ab und rollten in zügiger Fahrt weiter nach Norden. Beim Rio Colorado verliessen wir Patagonien, wo wir mehr als einen Monat verbracht hatten. In der Provinz La Pampa änderte sich die Landschaft deutlich, die karge Steppe wurde abgelöst durch fruchtbares Land mit riesigen Rinderherden, Mais- und Getreidefeldern und schönem Baumbestand.

Im Parque Luro mit seinem schmucken Jagdschlösschen und dem See mit Flamingos


konnten wir wegen der brünstigen Hirsche leider nicht übernachten, also zogen wir in die Provinzhauptstadt La Rosa weiter. Am folgenden Tag machten wir Halt in Los Toldos und besuchten im vom Kloster Einsiedeln gegründeten Benediktinerkloster das Grab meines Onkels, der über 50 Jahre als Mönch hier gelebt hatte.

 


Von Los Toldos waren es nur noch knapp 300 km nach Buenos Aires. Unterwegs packten wir um und bereiteten den Camper für die Verschiffung vor. In der „Capital Federal“ bezogen wir im Hotel Colon an der Avenida 9 de Julio ein zentrales Quartier, und freuten uns sehr, unsere Reisefreunde Heidrun & Winfried wieder zu treffen.

Gemeinsam mit ihnen bummelten wir durch die Strassen von Buenos Aires, besuchten das sehr touristische La Boca



und den eindrücklichen Friedhof La Recoleta, in dem neben Evita Peron auch viele andere berühmte argentinische Persönlichkeiten in zum Teil sehr prunkvollen Gräbern ihre letzte Ruhestätte fanden.



Auch die wöchentliche Demonstration auf der Plaza de Mayo liessen wir uns nicht entgehen, wo nicht nur für die Verschwundenen in der Zeit der Militärdiktatur, sondern auch für die Falkland-Inseln, die ja gemäss hiesiger Version klar zu Argentinien gehören (sollten)!


 

 
Bei der Abgabe unseres Campers im Hafen kam noch einmal grosse Hektik auf. Ursprünglich war diese für den 10.4. geplant, da die „Costa d'Avorio“ gemäss Fahrplan der Reederei Grimaldi am 13.4. von Zarate wegfahren sollte. Doch unser Spediteur Weber schlug vor, den Camper erst am Freitag, 12.4., zusammen mit einem weiteren Fahrzeug von Schweizern nach Zarate zu bringen. Am 10.4. um 13:40h erhalte ich plötzlich einen Anruf, in der mir Weber mitteilt, dass die Schiffspassage für unseren Camper annulliert worden sei! Es gäbe aber noch eine Möglichkeit, das Fahrzeug auf dieses Schiff zu bringen, doch dafür müsste dieses vor 18h in Zarate abgegeben sein... Also nichts wie ins Taxi, zum Camper und durch den dichten Verkehr von Buenos Aires (für 6 km über eine Stunde!) hinaus ins 100 km entfernte Zarate, wo ich nach 17h eintreffe. Dort warten auch schon die beiden Schweizer Elsbeth & Paul Grieder, die in nur 45 Min. ihr Wohnmobil für die Verschiffung vorbereiten mussten. Nach einigem Geplänkel mit Rosa, der Sekretärin von Weber, fahren wir die Wohnmobile um 17:50h zur Mole, wo das Schiff vor Anker liegt.

Nach Kontakt mit Seabridge, unserem Verschiffungsagenten in Deutschland, und mit Informationen von Weber wurde klar, dass die Costa d'Avorio statt am 13.4. bereits am 11.4. von Zarate ablegt und dass Grimaldi die Passage für unseren Camper wegen „no show“ des Kunden annulliert hatte! Gestern Mittag. 11.4. erhielten wir dann die Bestätigung von Weber, dass die beiden Wohnmobile an Bord sind und am 8.5. in Hamburg eintreffen sollen – also nochmals Schwein gehabt!

Zum Abschied genossen wir gemeinsam mit Heidrun, Winfried, Elsbeth und Paul ein feines Lomo und Bife de Chorizo, und unterhalten uns sehr angeregt über unsere Erlebnisse und Erfahrungen auf der Panamericana.

Heute haben wir nun unsere Habseligkeiten in 2 Zügelkisten und einen Reisesack gepackt, und um 17h geht's los zum Flughafen.

Wir sind sehr froh, glücklich und dankbar, dass unsere lange Reise so gut, praktisch so wie geplant und ohne unlösbare Probleme verlaufen ist. Unsere Speicher sind mit grossartigen Eindrücken und Erlebnissen gefüllt und wir freuen uns sehr auf Zuhause und auf ein Wiedersehen mit euch.

Aus Buenos Aires schicken wir euch herzliche Grüsse

Ernst & Vreni