Montag, 18. Juni 2012

2. Bericht: Auf nach Westen!

Niagarafälle – Sudbury – Sault St. Marie – Thunder Bay – Winnipeg - Regina - Calgary
7.6. - 17.6.2012 / 4140 km

Liebe Freunde
Mit dem Rauschen der Niagarafälle in den Ohren– die wir am Morgen noch von unten und hinten bestaunten - nahmen wir den langen Weg nach Westen unter die Räder, zuerst den gleichen Weg zurück bis Toronto und dann auf den Trans Canada Highway (TCH). Der erste Abschnitt bis Sudbury brachte uns einmal nach Norden. Nach Mittagsrast am schönen Lake Simcoe führte die Route 69 der Georgian Bay entlang, einer riesigen Bucht des Lake Huron mit Hunderten von Inseln. Brida & Markus – die wegen unseres (erfolglosen) Versuchs zum Kauf einer SIM-Karte für Kanada & USA sowie einem Umweg zum Kauf von knapp gewordenem Diesel (!) - weit vor uns fuhren, hatten schon einen ruhigen Übernachtungsplatz direkt am See im an sich geschlossenen Killbear Prov. Park gefunden.


Am nächsten Morgen lockerten wir unsere Muskeln auf dem Lookout Trail, der uns einen weiten Ausblick auf den Parry Sound und Einblick in die Flora & Fauna des Parks bot.


Der Nachmittag in der Minenstadt Sudbury war ganz dem Waschen, Blogschreiben und Skypen gewidmet. Tiefpunkt des Tages war mein Versenken des Deckels zum WC-Tank im Ablaufrohr, der aber dank des sehr hilfsbereiten Platzmanagers nach Durchtrennen der Leitung gerettet werden konnte. Der feine Gemüse-Eintopf von Vreni aus dem WOK rettete den Abend wieder.

In den am Vortag geschriebenen Blogtext konnte ich in der Stadtbibliothek dank schneller Internetverbindung die Bilder einfügen, was über die WiFi-Verbindung am Campingplatz Stunden gedauert hätte. Nachdem wir so euren Informationshunger stillen konnten, machten wir uns auf ins „Dynamic Earth“ Museum mit seinem riesigen „Nickel“, das einen sehr anschaulichen Einblick in die Techniken der im gigantischen Ausmass betriebenen Förderung von Metallerzen (vor Allem Nickel, aber auch Kupfer, Eisen, Silber und Gold) bot.

Nach kurzer Fahrt von 150 km übernachteten wir in Spanish an der Georgian Bay, wo uns der Besitzer des Campingplatzes zu einer kleinen Bootsfahrt im wunderbaren Abendlicht einlud, mit Bewunderung von Biberbauten, „Sandhill Cranes“ und Adlernest (leider leer).
Nach ruhiger Nacht - wieder einmal mit intensivem Regen – begrüsste uns der Sonntag mit herrlichem Sonnenschein. Nach Einkauf im nahen Sault Ste.Marie ging's dem Lake Superior, dem grössten der 5 nordamerikanischen Riesen-Seen, entlang weiter auf dem TCH bis zum Lake Superior Prov. Park. Nach kurzer Wanderung zu den imposanten Agawa Rocks fanden wir eine schöne Bucht, in der das Wasser mit ca. 18°C sogar „warm“ genug für ein Bad war.



Vor der Übernachtung im Campground des Parks schlenderten wir im Abendlicht über den farbigen Kiesstrand der „Old Women's Bay“.
Am folgenden Tag war eine lange Etappe angesagt, also frühe Abfahrt (7:40h). Zuerst schien noch die Sonne, doch schon bald kamen dunkelgraue Wolken auf und bescherten uns sintflutartigen Regen, bei Marathon auch noch Gewitter. Nach etlichen technischen Schwierigkeiten gelang das Skype-Gespräch mit Thomas doch noch. Brida liess ihren immer stärker schmerzenden Backenzahn von einem Zahnarzt untersuchen, der einen Abszess diagnostizierte und ihr Antibiotika und Schmerzmittel verordnete. Diese zeigten inzwischen die gewünschte Wirkung, so dass keine Extraktion des Zahnes nötig sein wird. Gestärkt mit Pizza aus der Pizza Hut traten wir die Weiterfahrt auf dem immer einsamer werdenden TCH durch die endlosen Wälder Ontarios an. Ein Lookout-Point bot einen weiten Ausblick auf den Lake Superior.
Nahe beim Sleeping Giant Prov. Park fanden wir dank Anfrage bei einem Liegenschafts-besitzer einen wunderschönen Wiesenplatz direkt am See. Dank einigen Bäumen konnten wir die feinen Hörnli mit Gehacktem von Brida und die zarten Bohnen von Vreni trotz des stürmischen Windes im Freien geniessen.

Auf eine weitere regnerische Nacht folgte ein trüber Morgen mit wiederum frühem Start. Vorbei an Thunder Bay rollten wir in ruhiger Fahrt, wie üblich mit Tempomat auf 100 km eingestellt, durch die Nadelwälder, passierten unzählige Seen bis Vermilion Bay. Der erste Zeltplatz machte einen sehr vernachlässigten Eindruck, der zweite am Crystal Lake war eine gute Wahl, sauber, mit prima WLAN-Verbindung.
Auch in der nächsten Nacht regnete es stark. Bei trübem Himmel ging's los über die letzten Kilometer in der Provinz Ontario. Wir stellten unsere Uhren wieder eine Stunde zurück (GMT– 6 Std.) und passierten die Grenze zur Provinz Manitoba. Schon nach etwa 50 km wechselte die Landschaft ganz deutlich, die weite Prärie mit riesigen Feldern löste die dichten Wälder Ontarios ab. Nun traten auch die unglaublich langen Güterzüge der Canadian Pacific Railroad mit Kompositionen von weit über 100 bis 200 Wagen ins Blickfeld, die bei Bahnübergängen sehr laut und lange hupen. 



In Winnipeg, der einzigen Grossstadt zwischen Toronto und Calgary besuchten wir die Winnipeg Art Gallery (Abkürzung WAG!). Die Sammlung von Inuit Kunstwerken ist sehenswert, der Rest ein Sammelsurium aus verschiedenen Epochen, teilweise eigenartig zusammengestellt.

Nach Einkauf im riesigen „Real Canadian Superstore“ (der Brida etwas stresste) zogen wir weiter über die Prärie und fanden im Creekside Campsite in Portage La Prairie einen schönen, mit Bäumen bestandenen Übernachtungsplatz.
Die Abfahrt erfolgte bei hellem Wetter, bald zogen aber wieder Regenwolken auf und der Wind nahm zu. Er blies uns so stark entgegen, dass wir bis zu 5 l pro 100 km mehr Diesel verbrauchten als zuvor. Im weiteren Tagesverlauf wartete der sich in unglaublicher Weite über der Prärie spannende Himmel mit einer Vielzahl von grossartigen Wolkenformationen auf – das Motto für Manitoba auf den Autoschildern ist mit „Land of the living skies“ sehr passend gewählt!

Noch vor dem Mittag passierten wir schon die Grenze zur nächsten Provinz, Saskatchewan. Die Sicht über die Prärie wurde noch weiter, der Blick wurde praktisch nicht mehr durch Bäume eingeengt. In der Provinzhauptstadt Regina hielten wir im schönen Wabasne Park Mittagsrast, wieder einmal unterbrochen von Regenschauern.


Nach der etwas schwierigen, schliesslich aber erfolgreichen Suche nach einer Postkarte für Regina rollten wir nochmals etwa 100 km bis zum nächsten Nachtquartier in Moose Jaw.
Wie an den Vortagen setzte der Regen schon bald nach der Abfahrt wieder ein und mit den heftigen Windböen wurde unsere PanamBox ziemlich durchgeschüttelt. Nach Passieren der Regenzone liessen wir uns wieder von den riesigen Ebenen mit einem unendlich weit scheinenden Himmel in den Bann ziehen. Es folgte ein kurzer Versorgungshalt in Swift Current und schon wechselten wir in die nächste Provinz, Alberta, und stellten unsere Uhren um eine weitere Stunde zurück (GMT-7 Std.).
Nach Medicine Hat bogen wir vom TCH ab und kämpften uns mit starkem Gegenwind bis zum Dinosaur Prov. Park durch. Nach Besichtigung des sehr informativen Museums im Visitor Center genossen wir das Nachtessen auf dem Parkplatz des herrlichen Badland Lookout Points.



Die wegen des vollen Campingplatzes auf auf diesem Platz geplante Übernachtung wurde leider von einer Park-Rangerin vereitelt. Die Rückfahrt auf einen 40 km entfernten Campground konnten wir dank hartnäckigem Verhandeln aber vermeiden, indem wir in „Untermiete“ bei anderen Campern gingen.
Die geführte Wanderung vom folgenden Morgen zu einer sehr ergiebigen Fundstelle von versteinerten Dinosaurierknochen war zwar etwas stark auf Kinder zugeschnitten, doch alleweil lohnend.



Die anschliessende einsame Fahrt über die praktisch menschenleere, extensiv genutzte Prärie nach Drumheller gestaltete sich mit 2 Std. wesentlich länger als erwartet. Auf dem „Hoodoo Trail“ fanden wir uns plötzlich im touristischen Mainstream wieder.


Im Dinosaur Trail RV Park stimmte das Preis-Leistungsverhältnis überhaupt nicht, doch mindestens lag er nahe beim grossartigen Royal Tyrrell Museum, in dem wir beim abendlichen Besuch einen hervorragenden Einblick in die Paläontologie, mit Schwerpunkt Dinosaurier, erhielten.

Am Sonntagmorgen stiegen wir über steile Hänge in den Horse Thief Canyon hinunter, den wir bei herrlicher Sonne ganz allein erkunden konnten. Neben den farbenfrohen Schichten in den Wänden des Canyons und einer „Hoodoo-Familie“ wartete auch die Flora mit einer unerwarteten Vielfalt auf.


Während Brida & Markus direkt Richtung Banff N.P. fuhren, wo wir uns am Montag wieder treffen, war unser Ziel Calgary, wo wir vor der langen Fahrt nach Alaska einen Tag in der Grossstadt verbringen.
Wie ihr seht, läuft alles nach Plan, wir sind munter und unternehmungslustig, und abgesehen von einigen kleineren Wehwehchen auch gesund.
Mit herzlichen Grüssen aus Calgary, wo eben ein Gewitter mit Hagel vorbeizog, eure
Ernst & Vreni auf Panamericana
PS: Vielen Dank an alle, die uns mit Mails und Kommentaren geantwortet haben. Wir freuen uns sehr darüber!



Samstag, 9. Juni 2012

1.Bericht „en route“: Halifax–Quebec–Montreal-Ottawa– Niagarafälle
30.5. - 7.6.2012 / 2810 km
Liebe Freunde
Schon sind wir mehr als eine Woche unterwegs und die Zeit beginnt rasch zu laufen, die Erinnerungen an die ersten Tage verschwimmen bereits etwas... höchste Zeit also, den ersten Blog-Eintrag „en route“ zu schreiben!
Nach ruhigem Flug sind wir in Halifax gelandet und wurden mit der Aussentemperatur von 8°C vom Sommer unsanft in den Spätwinter zurückbefördert! Am nächsten Morgen regnete es bei recht starkem Wind und der Gang zu den Büros der Speditionsfirma und des Zolls gestaltete sich recht ungemütlich. Dafür verlief das Prozedere absolut reibungslos. Ohne einen Blick in den Camper gab der Zoll ihn frei und wir konnten unsere „PanamBox“ (so soll unser Camper mit Tischer Box nun heissen) und Brida & Markus den Zwillingsbruder unbeschadet in Empfang nehmen.

Als Erstes galt es, Lebensmittel und noch fehlende Ausrüstung einzukaufen, was uns im riesigen WalMart auch gut gelang. Die erste Hürde hatten wir beim Kauf des Propangases zu überwinden, als wir feststellten, dass die grossen amerikanischen Flaschen nicht in unser Gasfach passen. Auf den Hinweis bei der Abfüllstation fanden wir bei Canadian Tire kleine 10 lb. Flaschen, die aber leer waren... Nach Rückfahrt zur Abfüllstation war diese bereits geschlossen. Also ohne Gas los zum Campingplatz – doch der Schreiber wollte nicht so rasch aufgeben. Nach einem Tipp einer Tankstelle fand er doch noch eine geöffnete Propan-Abfüllstation und konnte mit 4 vollen Flaschen nach 20h zufrieden zum Übernachtungsplatz zurückfahren.
Nach einer guten ersten Nacht im Camper konnten wir bestens ausgerüstet losfahren. In Truro entschieden wir uns, den über 700 km langen Abstecher zum Cabot Trail wegzulassen und uns auf den Weg nach Westen zu machen. Die Fahrt entlang der Küste der Fundy Bay, bekannt für ihre grossen Gezeiten-Unterschiede, entschädigte uns etwas dafür. Die noch nicht ganz ausgereifte Kommunikation mit „brimaunterwaegs“ auf dem zweiten Teil der Fahrt führte dazu, dass wir uns erst abends bei den Hopewell Rocks wieder trafen. Inzwischen haben wir die Schwierigkeiten überwunden und verabreden genau, wo wir uns wieder treffen, falls wir uns aus den Augen verlieren.
Zum Auftakt des nächsten Tages spazierten wir zu den imposanten Hopewell Rocks mit ihren „Flower Pots“. Auf der Fahrt in den Fundy Nat. Park fanden wir auch noch die passende Gaskartusche für unseren CADAC Grill.
Die schöne Wanderung auf dem Coppermine Trail und das Picknick am Bennett Lake vermittelten uns neben dem Einblick in die Wälder des kanadischen Ostens und herrlichen Ausblicken auf die Küste auch wieder den Eindruck von Sommer.

















In St. Martin fanden wir einen schönen Campingplatz direkt am Meer, wo wir den Grill einweihen und die Steaks in der Abendsonne – allerdings mit Jacken wegen des recht starken Windes - im Freien geniessen konnten.











Bei strahlendem Sonnenschein tuckerten wir am nächsten Morgen über den Fundy Trail, der erneut schöne Ausblicke auf Küste und Fundy Bay bot.
 
Anschliessend folgten wir den bereits früher losgefahrenen Brida & Markus auf langer Fahrt durch New Brunswick nach Riviere-du-Loup am St. Lorenzstrom. In der Nacht setzte wieder Regen ein, der uns auch am nächsten Tag auf der Fahrt nach Quebec City begleitete. Bei dieser Fahrt mussten Brida & Markus feststellen, dass Luft ganz schön teuer sein kann: über 5$ verschwanden im Druckluftapparat zum Pumpen der Pneus!
Auf einen Tipp aus einem Blog hin, den Vreni gesehen hatte, parkierten wir unsere Camper in Levis und setzten mit der Fähre nach Quebec City über. Regen und Wind trieben uns direkt in ein Café, das wir aber trotz Empfehlung im Loose Reiseführer kein zweites Mal aufsuchen würden. Dank des lausigen Wetters kamen wir in den Genuss des sehr sehenswerten und vielseitigen „Musée de la Civilization“, in dem die wechselvolle Geschichte der „First Nations“ und Kanadas höchst anschaulich dargestellt wird. Den anschliessenden kleinen Stadtrundgang durch Quebec City – das uns nicht besonders begeisterte - konnten wir ohne Regen absolvieren. Mit einer feinen Pizza im Bauch gings zurück zum Camper, in dem wir auf dem Parkplatz eine ruhige Nacht verbrachten.
Nach erneut verregneter Nacht machten wir uns auf den Weg nach Montreal, wo wir mit dem Hinweis eines Elektrohändlers den einzigen Händler in der Stadt fanden, der 110V -> 220V Transformer verkauft, das letzte wichtige Stück der Ausrüstung, die uns noch fehlte. Beim Olympiapark (Olymp. Spiele in Montreal im Jahr 1976) versanken wir in die phantastische Welt des Botanischen Gartens, der uns mit seinen wunderbaren tropischen Pflanzen, Orchideen, den einmaligen chinesischen und japanischen Gärten,
  
 
 
herrlich blühenden Pfingstrosen, Iris, Fliederbüschen und den wundervollen Bäumen während über 4 Stunden in seinen Bann schlug.

Nach Übernachtung auf einem recht teuren Campingplatz fuhren wir getrennt los nach Ottawa. Nach dem erfolglosen Versuch, eine SIM-Karte für Kanada und USA zu kaufen (unser Schweizer Natel muss offenbar entsperrt werden, was fast niemand kann...) kurvten wir durch die Innenstadt, parkierten unsere PanamBox vor einem Ministerium und liessen auf einem Spaziergang die imposanten Regierungsgebäude der Hauptstadt auf uns wirken.

Der Versuch, meinen Göttibub Adrian Frei zu besuchen, verlief leider erfolglos, da unsere SMS und Mails mit grosser Verspätung oder gar nicht eintrafen. Also fuhren wir noch ein Stück Richtung Süden bis Spencerville, wo wir bei einem Sportplatz eine ruhige Nacht verbrachten.
Nach kurzem, intensivem Regen nachts zeigte sich der nächste Morgen sonnig, und wir nahmen die Strasse Richtung Niagarafälle unter die Räder. Die Grossstadt Toronto umfuhren wir auf teilweise 7-spuriger Autobahn (in einer Richtung!) bei dichtem, aber flüssigem Verkehr. Dem Ontariosee entlang führte der Weg durch den „Golden Horseshoe“, dem Wirtschaftszentrum von Ontario. Nach einer Mittagspause in Grimsby direkt am See gelangten wir praktisch gleichzeitig mit Brida & Markus nach Niagara Falls. Auf einem ausgedehnten Spaziergang über die lange Aussichtspromenade präsentierten sich uns die höchst imposanten kanadischen oder „Horseshoe“ und die amerikanischen Fälle in schönstem Sonnenschein mit herrlichem Regenbogen.

 












Nach gutem Schlaf auf dem Parkplatz der Fälle liessen wir am Morgen die grossartigen Fälle noch von unten auf uns wirken, bevor wir uns nach diesem höchst lohnenden Abstecher wieder auf den langen Weg nach Westen machen.
Der Auftakt zu unserem Panamericana-Abenteuer ist also bestens gelungen! Auto und Wohnkabine funktionieren tadellos und wir sind guten Mutes, dass auch die noch folgenden ca. 45 Wochen zu einem grossartigen Erlebnis werden.
Euch wünschen wir eine gute Zeit, einen schönen Sommeranfang und grüssen euch ganz herzlich, eure
Ernst & Vreni auf Panamericana