17. Bericht: Von Cuenca nach Peru und über die Küste hinauf zur Cordillera Blanca und durch's zentrale Hochland nach Ayacucho
1.1. - 14.1.2013 / 2900 km
Liebe FreundeDas Neue Jahr begannen wir ganz ruhig, mit Schreiben, Lesen und Arbeit am Blog. Abends trafen unsere Reisefreunde Heidrun & Winfried auch bei den Cabañas Yanuncay in Cuenca ein und wir konnten auch mit ihnen auf ein glückliches Jahr anstossen.
Am 2. Januar besuchten wir miteinander das Panamahut-Museum, in dem die Herstellung dieses klassischen Hutes – der aus Cuenca und nicht aus Panama stammt – anschaulich demonstriert wurde.
Natürlich konnten wir uns nicht zurückhalten und erstanden 3 Hüte, die wir hoffentlich unbeschadet nach Hause bringen können.
Nach einem Bummel durch die Altstadt Cuencas mit Besichtigung der neuen und der alten Kathedrale
und einem feinen Nachtessen im Camper zogen wir am nächsten Tag weiter, hinunter ins Tiefland Ecuadors, vorbei an grossen Bananen- & Zuckerrohrplantagen und - nach Füllen des Tankes mit extrem günstigen ecuadorianischem Diesel (gut 1 USD für 3.8 Liter) - zur Grenze von Peru.
Der Grenzübertritt funktionierte reibungs- und kostenlos, und nach 1.5 Stunden rollten wir bereits im 11. Land unserer grossen Reise weiter nach Süden. Nach einem kurzen Abstecher in die recht hässliche Stadt Tumbes bezogen wir bei El Zorritos im Hostel Casa Grillo Quartier, direkt am Meer mit seinem endlos langen, von Hunderten kleiner, roter Krebse bevölkerten Strand.
Beim Bad im durch den „El Nino“ Strom schön warmen, jedoch recht bewegtem Meer riss eine grosse Welle Vreni's Brille in die Tiefe. Mit der Ersatzbrille sieht sie zwar noch einigermassen, doch das Kleingedruckte macht ihr etwas Mühe.
Vorbei an kleinen Fischerdörfchen und durch Peru's Oelfördergebiet rollten wir auf guten Strassen zügig südwärts und durchquerten nach der Stadt Piura die Sechura-Wüste, in der ein kräftiger Wind den Sand über die Fahrbahn blies und unsere PanamBox ins Schwanken brachte.
Vor Lambayeque suchten wir uns einen geeigneten Platz zur Übernachtung. Nachdem der erste Versuch, auf dem Rancho einer Schweizerin zu nächtigen scheiterte, fanden wir im Bosque Pomac, einem Schutzwald mit zum Teil uralten Trockenbäumen einen ruhigen Platz.
Einzig am Morgen wurde Vreni beim Duschen unter der Solarbrause von einer Rinderherde mit ihren Hüterinnen gestört.
Auf der Rückfahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von den Adobe-Pyramiden, die entlang der Nordküste Perus in grosser Anzahl auftauchen - diese war von vielen Geiern bevölkert.
In Túcume beeindruckten uns die Ruinen der riesigen, 220 ha grossen Lehmziegelstadt der Moche-Kultur mit ihren 26 Pyramiden. Die grösste von ihnen, die Huaca Larga, hat eine Grundfläche von 450 x 120 m, ist 30 m hoch und damit eine der grössten Lehmziegelbauwerke Südamerikas.
Da die Sonne gegen Mittag schon kräftig auf uns niederbrannte, kam uns der Besuch des „Museo de Tumbas Reales de Sipan“ in Lambayeque gerade recht. In diesem ausgezeichneten Museum – in dem Fotografieren leider verboten ist – werden die grossartigen Fundstücke des Grabes des Herrschers von Sipan gezeigt.
Dieses ca. 1700 Jahre alte Grab wurde 1988 praktisch unversehrt entdeckt und enthielt eine grosse Anzahl Grabbeigaben, von denen speziell der goldene, silberne und kupferne Schmuck des Herrschers beeindruckt. Auch die Fundstücke aus dem Grab des Alten Herrschers von Sipan und eines Priestergrabes sind im gleichen Museum zu bewundern.
Auf den Besuch der eigentlichen Fundstätte verzichteten wir und machten uns auf die Suche nach einem guten Übernachtungsplatz. Die Badeorte Pimentel und Santa Rosa südwestlich von Chiclayo boten dank des Wochenendes einen amüsanten Einblick in die peruanischen Badesitten, eigneten sich jedoch nicht so gut für eine ruhige Übernachtung.
In Chepén fanden wir einen Platz in einem bewachten Innenhof, mit der Ruhe war's aber mit wegen der nahe gelegenen Disko am Samstagabend nicht so weit her... - zudem stürzten sich die Stechmücken beim nächtlichen Toilettenbesuch unbarmherzig auf Ernst.
Nach der Fahrt durch das Hauptangebiet von Reis in Peru
gelangten wir zur eindrücklichen Lehmziegelstadt Chan Chan, nördlich von Trujillo. Mit dem Bau dieser Stadt wurde bereits im 9. Jhdt.n.Chr. begonnen, ihren Höhepunkt erreichte sie in der Kultur der Chimu im 13. und 14. Jhdt., als über 60'000 Menschen dort lebten. Besonders beeindruckend sind die vielen Reliefs mit stilisierten Tierdarstellungen.
Die Stadt enthielt mehrere Wasserreservoirs, die mit dem Wasser aus den Anden gefüllt wurden.
Dieses Wasser ist auch heute noch lebenswichtig für die extrem trockene Küste Perus, in der in den Flussdeltas neben Reis auch viel Zuckerrohr, Spargeln, Baumwolle, Reben und Anderes – sogar Erdbeeren - angebaut wird.
Von unserem Quartier in Huanchaco aus – in einem kleinen RV Park am Meer mit den traditionellen Fischerbooten aus Schilf –
unternahmen wir einen Ausflug zu den Huacas de Moche, eine weiteren Lehmziegelpyramiden der Moche-Kultur aus dem 3. - 8. Jhdt. n.Chr. Neben der riesigen Huaca del Sol ist vor Allem die Huaca de la Luna mit ihren Reliefs und vielfarbigen Malereien sehr beeindruckend.
Den Nachmittag verbrachten wir zum grossen Teil in Trujillo mit der Suche nach einer Propan-Abfüllstation. Nach mehreren erfolglosen Versuchen fanden wir schliesslich einen Mechaniker, der uns einen Adapter konstruierte, mit dem wir an jeder Autogas-Tankstelle Gas beziehen können.
Der nächste Abschnitt auf der Fahrt nach Süden führte wieder durch die Wüste
bevor wir bei Chimbote von der Panamericana abbogen und durch das phantastische Tal des Rio Santa und den Cañon del Pato ins Hochland des Callejon de Ancash hinauf fuhren.
Unterwegs kamen wir an kleinen Dörfern vorbei, in denen Mangos geerntet wurden - sie waren richtig reif und schmeckten wunderbar!
In diesem herrlichen Tal, auch als peruanische Schweiz bezeichnet, begrüssten uns die Gletscher-bedeckten Gipfel der Cordillera Blanca, unter anderem der mächtige Nevado Huascaran, mit 6768 m höchster Berg Perus.
Von Huaraz, dem geschäftigen Hauptort des Tales aus unternahmen wir eine schöne Wanderung zu den Ruinen von Willkawain, einem Grabbau der Wari-Kultur aus dem 9. Jhdt. n.Chr.
Unterwegs bekamen wir in den Weilern einen kleinen Einblick in das Leben der Andenbauern
und genossen die weite Sicht in die herrliche Bergwelt.
Nun trennten wir uns von Heidrun & Winfried, die nach Lima weiter zogen. Unsere Fahrt führte zuerst durch eine karge Hochebene,
dann hoch über tief eingeschnittenen Tälern, vorbei an frisch eingeschneiten, dunklen Bergen über einen 4500 m hohen Pass
v
vorbei an Erdrutschen, durch ein Minendorf und Orte mit schwer auszusprechenden Namen
auf einer schmalen, einsamen Strasse hinunter nach Huanuco, wo wir auf dem Parkplatz der Ruinen von Kotosh übernachteten. Den „Tempel der gekreuzten Hände“, der etwa um 1000 v. Chr. erbaut wurde, und die schöne Parkanlage hatten wir ganz für uns,
mit Ausnahme einiger sich in Pose werfender Truthähne.
Von dem auf 1900 m liegenden Huanuco – der Stadt mit dem nach eigener Aussage „besten Klima der Welt“ - stieg die Strasse wieder konstant an bis zur Minenstadt Cerro de Pasco auf fast 4400 m ü.M.
Auf einer etwas länger als geplanten Fahrt durch die recht triste Stadt entstand dieser Schnappschuss im Markt:
Unser Nachtquartier schlugen wir im „Sanctuario Nacional Huallay Bosque de Piedras“ auf. Kurz bevor ein längerer Regen einsetzte, streiften wir begeistert, wenn auch auf 4200 m etwas kurzatmig durch die bizarren Felsformationen dieses „steinernen Waldes“.
Am folgenden Morgen zeigte sich die Sonne wieder und nach einigen Bildern der sich malerisch vor den Felstürmen gruppierenden Lamas
rollten wir durch die Pampa de Junin, mit herrlichen Weitblicken über diese karge Hochebene mit ihrem See.
Durch La Oroya, eine weitere hässliche Minenstadt und ein enges Flusstal mit vielfarbigen Steinschichtungen
gelangten wir ins weite Hochtal des Rio Mantaro
und nach Huancayo, einer betriebsamen Stadt in ländlichem Umfeld. Nur dank der Lotsendienste eines Taxis fanden wir nach dem Eindunkeln das „Campamento La Perla“ in Chupaca mit einem ruhigen Stellplatz. Der Manager Andreas, Sohn einer Schweizerin und eines Deutschen, die vor gut 50 Jahren hier eine Missionsstation aufbauten, empfing uns sehr freundlich und sorgte bestens für unser Wohl.
Nach einem Besuch des Weberdorfes Hualhuas – natürlich mit Kauf von Alpaca-Wolldecke und Schals –
nahmen wir die lange Fahrt nach Ayacucho unter die Räder. Der Auftakt mit einem wohl erst kurz vorher über einen Hang hinunter gestürzten Bus war nicht gerade ermutigend...
Auf einer Schotterpiste überquerten wir die ersten 2 Pässe bis nach Pampas.
Die Suche nach dem weiteren Weg gestaltete sich, wegen der restlos fehlenden Beschilderung in peruanischen Städten und Dörfern, sehr schwierig. Nach einem ersten, erfolglosen Versuch über eine von riesigen Löchern übersäte Piste schlugen wir nach mehrmaligem Fragen - auch bei Uniformierten der Policia Nacional – den Weg nach Südosten ein. Über eine holprige, schmale Piste, immer wieder vorbei an kleinen Erdrutschen ging's hinauf und hinauf, es wurde immer einsamer und schliesslich schauten nur noch einige Lamas erstaunt dem Schweizer Reisemobil nach.
Der noch einsetzende Nebel auf der ständig über 4000 m Höhe verlaufenden Piste verstärkte noch das Gefühl der Verlorenheit im Anden-Hochland. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 20 km/h schien die 170 km lange Strecke kein Ende zu nehmen. Beim Eindunkeln trafen wir einen Autofahrer, der uns erklärte, dass die Fahrt bis Ayacucho noch gegen 4 Std. dauern würde... Also entschlossen wir uns, unsere Panambox auf 4200 m im Dunkeln neben die Strasse zu stellen und dort zu übernachten.
Nach einer sehr ruhigen Nacht zogen wir früh wieder los, konnten einige der seltenen, nicht zähmbaren Vicuñas beobachten, und nach kurzer Zeit führte die Strasse doch langsam in tiefere Regionen.
In langer Fahrt über die immer noch sehr schlechte Piste erreichten wir schliesslich auf unter 2000 m den wilden Rio Mantaro, wo mit den vielen Kakteen wieder eine ganz andere Vegetation vorherrschte als im Hochland.
Nach einer Stunde schöner Fahrt entlang des Flusses gelangten wir beim Städtchen Huanta wieder auf eine Asphaltstrasse und nach einer weiteren Stunde nach Ayacucho – oder Huamanga, wie die Stadt auch genannt wird. In der bis vor weniger als 100 Jahren nur über Fuss- & Maultierpfade erreichbaren Stadt sind vor allem die Plaza Mayor mit ihren Arkaden, die schönen Kolonialhäuser und die vielen Kirchen, die leider tagsüber geschlossen sind, sehenswert.
Wir fanden einen schönen Stellplatz hoch über der Stadt und das Gewitter mit starkem Regen am Abend konnte uns in unserem Häuschen nichts anhaben.
Auf der Weiterfahrt durch die einsame, grossartige Gebirgswelt Richtung Küste traten bei unserem Nissan mit der abgeschliffenen Kupplung die ersten nennenswerten Probleme auf, die zur Zeit in Ica behoben werden – doch davon mehr im nächsten Bericht gegen Ende Januar/Anfang Februar.
Wir wünschen euch einen schönen Winter mit der richtigen Portion Schnee – den wir (vor allem Ernst!) schon etwas vermissen und schicken ganz herzliche Grüsse aus Peru
eure Ernst & Vreni auf Panamericana