16. Bericht:
Von der kolumbianischen Grenze durch Ecuador, über den Aequator und
nach einem Abstecher zum Cotopaxi nach Cuenca
21.12. - 31.12.2012 / 1200 kmLiebe Freunde
Nahtlos an den vorhergehenden Bericht schliesst sich die Beschreibung unserer Erlebnisse in Ecuador an.
Der Grenzübertritt von Kolumbien nach Ecuador war im Vergleich zu den mittelamerikanischen Staaten wohltuend einfach, kostenlos und nach 1.5 Stunden erledigt.
In der Grenzstadt Tulcan besuchten wir den Friedhof mit seinen unzähligen, phantastischen Skulpturen, die kunstvoll aus Thujabäumen herausgeschnitten sind.
Auf einem länger als geplant dauernden Abstecher fuhren wir nach El Angel und über eine im letzten Teil sehr raue Piste hinauf in den „Pàramo“ mit den einzigartigen Frailejones (Mönchsblumen). Die Flora in dieser ganz speziellen Landschaft zwischen ca. 3400 m und 4000 m.ü.M. begeisterte nicht nur Vreni.
Bei schönem Abendlicht ging's in zuerst vorsichtiger, dann rasanter Fahrt wieder hinunter auf die Panamericana und nach Otavalo, wo wir im Camping Rincon del Viajero vom sehr freundlichen Besitzer Dennis empfangen wurden. Erfreut stellten wir fest, dass der Platz mit 4 CH-Wohnmobilen fest in Schweizer Hand war. Mit Franz & Brigitte sowie Heiri und Laura konnten wir uns bestens über die gegenseitigen Erlebnisse unterhalten, gerade so wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Am folgenden Morgen spazierten wir zum weitherum berühmten Samstagsmarkt von Otavalo. Auf dem Viehmarkt kaufen und verkaufen die herausgeputzten Bauern der Umgebung die verschiedensten Tiere, vom Meerschweinchen bis zu Katzen und Hunden, vom Bibeli und Entli bis zum Truthahn – ein einmaliges Erlebnis.
Das Markten und Feilschen gibt natürlich auch Hunger, und so wurde schon am Morgen kräftig gekocht, gebraten und gefuttert.
Auch der riesige Lebensmittel- und Warenmarkt in den Gassen der Stadt bietet eine tolle Farben- & Formensymphonie, der wir uns beim Kaufen nicht ganz entziehen konnten.
Nach einem ruhigen Nachmittag mit Mail & Internet unternahmen wir am folgenden, wunderbar sonnigen Tag mit Heidrun & Winfried eine Wanderung um die Laguna Cuicocha.
Die herrlichen, zum Teil für uns noch nicht bekannten Blumen (viele Orchideen) am Weg um den tiefblauen See mit seinen 2 Inseln brachten die Auslöser unserer Kameras sehr intensiv zum Klicken.
Die Höhe von 3200 bis 3500 m brachte uns trotz recht guter Akklimatisation bei dem vielen Auf und Ab doch etwas zum Schnaufen.
Nach 2 schönen Tagen nahmen wir Abschied von der Schweizer Kolonie – zu der sich noch Gabriel und Samira gesellt hatten – und rollten zum Aequator. Das Monument am „Mitad del Mundo“ ist zwar imposant, liegt aber wegen veralteter Messdaten 240 m südlich vom echten Aequator.
Das Museum Intiñan hingegen bietet viel Interessanteres. Es zeigt die Lebensweisen der verschiedenen Einheimischen-Stämme Ecuadors – die Schrumpfköpfe werden heute nicht mehr von menschlichen, sondern nur noch von Faultierköpfen angefertigt! - und es beinhaltet die nach neusten GPS-Messungen ermittelte Aequatorlinie.
Besonders eindrücklich war die Demonstration der Corioliskraft: Genau auf der Aequatorlinie lief das Wasser aus einem Becken ohne Wirbel, wenige Meter südlich im Uhrzeiger- und wenige Meter nördlich im Gegenuhrzeigersinn ab!
Vom Aequator im Hochland ging's auf einem Abstecher hinunter nach Mindo in der subtropischen Zone. Nach Kauf von mit „Tecnologia Suiza“ hergestelltem Käse richteten wir uns beim Yellow House für den Heiligabend ein. Trotz des Regens genossen wir unter den Markisen unserer Wohnmobile mit Heidrun & Winfried bei Kerzenlicht und Weihnachtsdekoration den Sekt, das feine Züri-Geschnetzelte mit Rösti von Vreni und die Schwarzwäldertorte aus Quito.
Am Weihnachtstag verliessen wir das regnerische Mindo mit einigen unangenehmen Mückenstichen wieder in Richtung Hochland, fuhren ohne Halt problemlos durch Quito und fanden in Machachi beim Hostal Papagayo auf 3150 m ü.M. einen guten Stellplatz mit Strom, Wasser und warmer Dusche.
Die folgenden zwei Tage dienten der Höhen-Akklimatisierung, zuerst bei einer kleinen Wanderung zu einem Primärwald mit bemoosten, knorrigen Bäumen,
dann mit der Besteigung des 4870 m hohen „El Corazon“.
Nach anfänglich schöner Sicht über das Hochland verhüllte sich der Gipfel leider meist im Nebel,
doch die wieder andersartige Flora des Paramo und das Treffen mit 5 ecuadorianischen Bergsteigern machten die Tour dennoch zu einem schönen Erlebnis.
Die folgenden 2 Tage waren dem bergsteigerischen Höhepunkt der Panamericana-Reise gewidmet, der Besteigung des 5897 m hohen Cotopaxi.
Während Vreni geduldig bei der Hosteleria Tambopaxi auf 3700 m auf mich wartete (mit schöner Sicht auf den Berg), stieg ich am 28.12. vom Parkplatz auf 4600 m Höhe zum Refugio Jose Ribas auf 4800 m auf.
Nach einem kleinen Training im Steigeisenlaufen und knapp 4 Stunden Schlaf weckte mich Bergführer Jose um 23 Uhr, und nach einem „Morgenessen“ ging's kurz nach 24 Uhr los. Über steile Hänge mit Vulkangeröll stiegen wir bei Vollmond hoch zum Gletscher, montierten die Steigeisen und suchten uns den Weg durch den stark zerschrundeten Gletscher. Der Wind blies meist recht kräftig, so dass alle Kleidungsstücke zum Einsatz kamen. Nach Überwindung der obersten Steilhänge - die mich an die Grenzen der Kräfte brachten! - erreichten wir kurz vor 6 Uhr den Gipfel, gerade rechtzeitig für den herrlichen Sonnenaufgang.
Nach einigen Fotos – wegen Kälte und Wind zu wenige – machten wir uns um 6:20h schon wieder auf den Abstieg, der nach Bergführermanier rasch und mit (zu) wenigen Fotostopps ausfiel.
Vor
9 Uhr waren wir bereits wieder bei der Hütte, sehr müde, doch
zufrieden und glücklich über die erfolgreiche Besteigung bei
hervorragenden Bedingungen.
Nach Dusche und Siesta zogen wir noch am gleichen Tag weiter nach Süden und hinunter nach Baños. Auf dem Weg beeindruckte uns der Blick auf den zur Zeit aktivsten Vulkan Ecuadors, den Tungurahua, der in kurzen Abständen riesige, graue Dampfwolken in den Himmel bläst.
Von Baños, wo es wieder einmal regnete, zogen wir auf zwei längeren Tagesetappen über die Panamericana nach Süden, zum Teil leider bei dichtem Nebel, der jede Sicht auf die abwechslungsreiche Landschaft verhinderte.
In den Städten finden sich an der Strasse immer viele Imbissbuden, bei denen natürlich die gebratenen Meerschweinchen nicht fehlen dürfen.
Kurz vor Cuenca besuchten wir die eindrücklichen Ruinen von Ingapirca.
Die Inkas errichteten hier nach Unterwerfung der Cañaris, der Ureinwohner, einen Sonnentempel mit Palast für den Herrscher, in ihrer grossartigen Bauweise mit millimetergenau behauenen Steinblöcken, die ohne Mörtel aufeinander gefügt werden.
In Cuenca bezogen wir Quartier bei den ganz speziellen Cabañas Yanuncay, neben Dutzenden von glücklichen Hühnern, krähenden Gockeln, 3 Hunden, einer chaotischen Werkstatt und ausrangierten Lastwagen – jedoch mit guter Dusche, Strom und WiFi.
Am Silvesterabend spazierten wir durch die Stadt, bestaunten den hiesigen Brauch, speziell angefertigte Puppen als Symbol des alten Jahres zu verbrennen,
und fanden wir nach langem Suchen ein offenes Restaurant, in dem wir ein feines Dinner genossen. Nach einem kleinen Absacker krochen wir schon um 23 Uhr unter die Decke und rutschten im Schlaf ins Neue Jahr!
Euch wünschen wir ein gutes Neues Jahr in Zufriedenheit, Glück, guter Gesundheit und mit der Erfüllung vieler eurer Wünsche, und senden ganz herzliche Grüsse aus Cuenca
eure
Ernst & Vreni auf Panamericana
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