Montag, 18. Februar 2013


19. Bericht: Nach einem Abstecher ins bolivianische Hochland von San Pedro de Atacama nach Argentinien, über Salta und die Ruta 40 nach Mendoza

1.2. - 17.2.2013 / 3000 km

Liebe Freunde
Dieser Bericht hätte eigentlich aus Santiago de Chile kommen sollen, doch wir sind immer noch in Argentinien, Vreni in Los Penitentes am Fuss des Aconcagua und ich wieder in Mendoza! Und das kam so: Am Freitag, 15. Febr. nahmen wir nach einem feinen Brunch zu Winfried's Geburtstag Abschied von unseren Reisefreunden Heidrun & Winfried und rollten Richtung Anden.


Kurz vor der chilenischen Grenze krachte es im Wagengebälk und die Wohnkabine schlug auf's Dach der Fahrerkabine. Beim sofortigen Halt zeigte sich der GAU: Das Chassis des Nissan war auf beiden Seiten durchgebrochen!

Wir setzten so rasch wie möglich die Kabine ab und zogen das lädierte Auto darunter hervor – zum Glück standen wir an einem ebenen Platz, einige Meter von der Passstrasse entfernt.
 
Nachdem der erste Schock überwunden war, begannen wir zu organisieren. Ein erster Versuch, mit Hilfe von Vreni's Verwandten in Chile einen Abschleppwagen nach Santiago zu organisieren schlug fehl, da die chilenischen Abschleppdienste weder nach Argentinen fahren dürfen noch umgekehrt. Am folgenden Tag konnte ich aber einen Abschleppdienst organisieren, der unser Auto nach Mendoza brachte. Hier steht er nun und wartet auf's Schweissen! Falls die Arbeit gut ausgeführt und wie angekündigt am Montag oder Dienstag fertig wird, können wir unsere Fahrt wie geplant weiter führen...

Ich habe jetzt jedenfalls Zeit, den nächsten Blog-Eintrag zu schreiben – nun also zurück nach San Pedro, wo der letzte Bericht endete.

Nach langem Schlangestehen am chilenischen Zoll in San Pedro chauffierte der charmante Oscar unsere 12-köpfige Reisegruppe hinauf zum einsamen bolivianischen Zoll auf 4300 m Höhe, am Fuss des imposanten Vulkans Licancabur (5920 m).

Dort stiegen wir in zwei von Bolivien kommende Toyota Landcruiser – mit sehr wenig Beinfreiheit - um und begannen unsere grossartige Tour durch das phantastische Hochland des südlichen Boliviens.

Nach der Laguna Verde und der Laguna Blanca


ging's auf rauher Piste durch den einsamen Altiplano, die „Desierto de Salvador Dali“



und nach einem ersten Wechsel eines der schon sehr stark abgefahrenen Hinterräder zu den heissen Quellen, in denen ich natürlich nicht auf's warme Bad verzichtete.



Den nächsten Halt machten wir beim Geysirfeld „Sol de Manana“, an dem es aus vielen Löchern schweflig dampfte und blubberte.


Ein absoluter Höhepunkt war die riesige, phantastische Laguna Colorada mit ihrem von Algen rot gefärbten Wasser und den Tausenden von friedlich und unermüdlich nach Nahrung suchenden Flamingos.








Das Essen und die Übernachtung in der Hütte in der Nähe der Lagune war mehr als einfach und wegen der 4400 m Höhe fanden wir nur wenig Schlaf. Nur ich war am folgenden Morgen dank Ohrenpropfen und Stilnox einigermassen ausgeruht.


Nach Auftanken „à la Boliviana“

ging's weiter durch den sehr kargen, wüstenhaften Altiplano mit seinem herrlich klaren Licht, vorbei an den skurrilen Felsformationen des „Arbol de Piedra“






und weiteren Lagunen, alle mit Hunderten von Flamingos




und wunderbarer Spiegelung des grossen, weiten Himmels.




Das Mittagessen servierten uns die beiden Fahrer – unser Roberto war wesentlich sympathischer und zuvorkommender als sein Kollege – auf dem abgeklappten Kofferraumdeckel.

Beim Halt an der Laguna Negra, die viel tiefer als die anderen Lagunen und deshalb auch von anderen Wasservögeln bewohnt ist



trafen wir auch die harten Polsterpflanzen an, welche nach dem Abdorren von den wenigen Bewohnern dieser kargen Gegend als Brennmaterial verwendet werden.
 

Nach dem Valle de Piedras mit seinen an Tiere erinnernden Erosionsformen



stand eine weitere, sehr einfache Übernachtung im kleinen Lehmziegel-Ort Villa Alota an, dieses Mal allerdings im Doppelzimmer und mit deutlich freundlicherem Personal als in der ersten Nacht.

Beim zweiten Radwechsel, bei dem das Ersatzrad wegen total eingerosteter Befestigung nur mit grosser Mühe freigemacht werden konnte, fand Vreni ausgiebig Zeit zum Fotografieren der hier dank Regenzeit herrlich erblühten Blumen.




Kurz vor Uyuni statteten wir dem malerischen Bahnfriedhof einen Besuch ab, auf dem Dutzende von alten Lokomotiven und Bahnwagen vor sich hinrosten.
 




Nach einem kurzen Halt zur Registrierung in der staubigen, recht trostlosen Stadt Uyuni

ging's hinaus auf den „Salar de Uyuni“, den mit fast 13'000 km2 weltgrössten Salzsee, der wegen der Regenzeit fast ganz unter Wasser stand.



Nach begeisternder Fahrt durch das teilweise bis 30 cm tiefe Wasser auf der durchschnittlich 7 – 9 m dicken Salzschicht legten wir bei der kleinen Insel mit dem „Hotel de Sal“ an, das ganz aus Salzblöcken gebaut ist. Es wird heute nur noch als Museum genutzt, bietet aber Getränke und ein sehr primitives WC an.


Nach dem Lunch und ausgiebigem Herumwaten und Fotografieren des Salzsees mit seinen herrlichen Spiegelungen





traten wir die Rückfahrt an, auf der wir beobachten konnten, wie das Salz abgebaut und abtransportiert wird.



In Uyuni trennte sich ein Teil der Reisegruppe von uns und wir wechselten in ein anderes Fahrzeug mit recht unfreundlichem Fahrer, der uns in langer Fahrt bei teilweise heftigem Regen zurück nach Villa Mar chauffierte.

Nach einer Nacht in erneut sehr einfachem Quartier deutlich über 4000 m ging's am vierten Tag um 5 Uhr früh ohne Frühstück los. Nach einer sehr unbequemen Stunde Fahrt im Dunkeln ging die Sonne auf und tauchte die Landschaft in ein phantastisches Morgenlicht.





Entlang der anderen Seite der Laguna Colorada und vorbei an einem hoch in den stahlblauen Morgenhimmel dampfenden Geysir


und am schon bekannten Licancabur


gelangten wir wieder zur bolivianischen Grenze, wo wir nach einer weiteren Stunde Warten gut 5 Stunden nach dem Aufstehen endlich etwas zu Essen und Trinken erhielten.


Mit Oscar ging's wieder hinunter nach San Pedro de Atacama, wo wir erneut fast 2 Stunden Schlange standen, dieses Mal für den chilenischen Einreisestempel. Als Mitteleuropäer können wir einfach nicht verstehen, weshalb die Abfertigung an diesem regelmässig stark frequentierten Grenzübergang nicht effizienter organisiert wird...

Am nächsten Morgen standen wir bereits 20 Minuten vor Oeffnung des Zolls beim Gebäude, doch auch jetzt blieb uns eine halbe Stunde Warten für den Ausreisestempel nicht erspart. Dann aber ging's endlich los in langer Fahrt über den einsamen, grossartigen Paso de Jama nach Argentinien.



 


Die Abfertigung am argentinischen Zoll verlief absolut problemlos, einzig das manuelle Ausfüllen der temporären Importgenehmigung für's Auto bereitete den Beamtinnen einige Mühe.

Nach langer Fahrt, in der wir über unzählige Kehren 3000 m Höhe verloren, durchquerten wir die Quebrada de Humahuaca ein und bezogen in Humahuaca Quartier, zum ersten Mal seit längerer Zeit auf einem, zwar etwas primitiven Campingplatz. Bei rasch aufklarendem Himmel fuhren wir am folgenden Morgen anfänglich den gleichen Weg zurück durch die Quebrada de Humahuaca, die seit kurzem zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, mit ihrem unglaublichen Reichtum an Farben und Formen und den imposanten Kandelaberkakteen.





In Purmamarca bestaunten wir den „Cerro de los Siete Colores“, eines der bekanntesten Fotomotive Argentiniens,



bevor wir auf zügiger Fahrt via San Salvador de Jujuy die Stadt Salta erreichten.Im Balneario Carlos Xamena bezogen wir Quartier an einem grossen, allerdings nicht besonders sauberen Badesee.

Auf einem Rundgang erkundeten wir das schöne Stadtzentrum und besuchten das faszinierende „Museo de Arqueologia de Alta Montagna“, in dem die Mumien von 3 Inka-Kindern ausgestellt sind, die auf einem 6700 m hohen Vulkan gefunden wurden.


Das Getriebe unseres Nissans konnten wir leider nicht wie geplant reparieren lassen, da der einzige Mechaniker, der diese Reparatur ausführen hätte ausführen können, in den Fasnachtsferien war! Auch die Suche nach einer Gasfüllstation erwies sich als sehr langwierig, war aber schliesslich doch von Erfolg gekrönt.

Der Besuch einer „Peña“, einer Musik- & Tanzshow mit begeisternden Klängen und Rhythmen bei feinem argentinischem Steak liess uns die Mühen des Tages wieder komplett vergessen.

Und weiter ging's südwärts – durch die erneut sehr farbenfrohe, eindrückliche „Quebrada de las Conchas“




 
kamen wir in den Weinort Cafayate, der als zweite Weinhauptstadt Argentiniens nach Mendoza gilt.

Auf einer Führung durch die Bodega „El Esteco“ liessen wir uns die Weinbaumethoden dieser Region erläutern und degustierten unter Anderem den nur hier angebauten frischen Weisswein aus der Torrontés Traube.





Die herrlichen Blüten an einem Baum am malerischen Hauptplatz begeisterten uns wieder einmal.

Auch die in voller Blüte stehenden Kakteen auf der Weiterfahrt auf der Ruta 40 nach Süden brachten vor Allem Vreni's Kamera sehr intensiv zum Klicken.


 


Bei sengender Sonne und starkem Wind bezogen wir Quartier beim Besucherzentrum des „Parque Provincial Ischigualasto“ oder einfacher „Valle de la Luna“. Auf einer Fahrt mit dem eigenen Auto unter Führung eines Parkrangers durchschweiften wir den Park mit seinen vielfältigen Felsformationen, in dem Hunderte von Saurierskeletten gefunden wurden, nicht die der grössten, aber mit ca. 230 Mio. Jahren die ältesten Saurier.




Leider verhinderten dunkle Wolken das schöne Abendlicht auf den farbigen Felsen,




erst nach Sonnenuntergang traten die flammenden Strahlen noch hervor.

Nach einer stürmischen Nacht mit teils sehr heftigem Regen und leichtem Hagel strahlte die Sonne am nächsten Morgen wieder vom herrlich blauen Himmel, den auch die Riesenheuschrecke an unserem Camper zu geniessen schien.

Wir zogen weiter zum angrenzenden Talampaya Nationalpark und besuchten mit einer geführten Bustour den imposanten Cañon de Talampaya mit seinen roten Sandsteinwänden, die nun im schönsten Morgenlicht leuchteten.




Am Eingang des Cañons waren einige Petroglyphen zu sehen und zwischen den senkrechten Wänden genossen Loras ihr Frühstück und Kondore kreisten hoch in der Luft (findet ihr den Schatten an der Wand?).




Nach einem Halt bei den Säulen der „gotischen Kathedrale“



erreichten wir einen herrlichen Aussichtspunkt mit Blick auf die imposanten Türme (unter anderem den „Mönch“) und weit über die Ebene zu den frisch verschneiten Fünftausendern.



Auf der Rückfahrt bekamen wir noch einheimische Fauna vor's Objektiv, unter Anderem den Mara Patagonico und ein Nandu.


Auf der Weiterfahrt nach San Juan bekamen wir die Folgen des starken Regens in der Nacht sehr intensiv zu spüren. Neben unzähligen Furten („Badenes“) mit wenig Wasser galt es auch einige ziemlich reissende braune Fluten zu durchqueren. Zum Glück hielt das Chassis noch!



Nach einer sehr warmen Nacht in San Juan zogen wir weiter nach Mendoza, der Weinhauptstadt Argentiniens. Die sich auf einer grossen Fläche ausdehnende Stadt mit ihrem angenehmen Klima weist zwar keine herausragenden Sehenswürdigkeiten auf, doch die Innenstadt mit ihren grosszügigen Plätzen und Strassen, meist von alten Bäumen gesäumt, gefiel uns sehr.



Auch hier konnten wir das Getriebe leider nicht reparieren lassen, da die Nissan-Garage nach einem langen Fastnachts-Wochenende auf Tage hinaus ausgebucht war.

Dafür besuchten wir zwei Weingüter und eine kleinen Oliven verarbeitenden Betrieb. In der Bodega Lopez mit über hundertjähriger Tradition wird Wein in industriellem Massstab produziert. Die Führung durch die hochmodernen Anlagen war sehr interessant, doch der Wein schmeckte uns nicht besonders.




Ganz anders in der Finca Decero, einem Weingut, das im Jahr 2000 von Thomas Schmidheiny auf 110 ha Brachland aufgebaut wurde.



Inzwischen produziert die Bodega Spitzenweine, die regelmässig internationale Preise gewinnen. Im sehr gepflegten Degustationsraum konnten wir drei dieser hervorragenden Weine geniessen.


Die Weiterfahrt in Richtung Chile bis zum abrupten Ende wartete wieder mit vielen landschaftlichen Höhepunkten auf und gefiel uns ausgezeichnet. Ich hoffe sehr, dass ich die Fahrt morgen mit dem gut geschweissten und verstärkten Nissan nochmals unter die Räder nehmen kann!





Zur Zeit bleibt uns nichts Anderes übrig als zu warten und hoffen, dass die Mechaniker ihre Arbeit gut machen... In etwa 2 Wochen werdet ihr mehr erfahren, wie unsere Panamericana-Reise weitergeht, auf der es uns wahrlich nicht an Abwechslung und Herausforderungen fehlt!

Nun schicken wir euch herzliche Grüsse aus dem angenehm warmen Mendoza und aus dem windigen Los Penitentes in den Bergen

eure Ernst & Vreni auf Panamericana







2 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Zwei,

    also ich muss schon sagen, dass euch die Abenteuer nicht ausgehen und es auf gar keinen Fall langweilig wird. So klingt euer Bericht wenigstens und dass das Chassis gebrochen ist ist wohl ein Tribut an die Tausende Kilometer schlechte Piste. Hoffen wir, dass ihr bald euren Weg fortsetzen könnt. Aber selbst Zwangspausen sind ja für euch nicht langweilig.

    Weiterhin schöne Erlebnisse

    wünschen Evi und Georg

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  2. hallo ihr zwei lieben,

    ja das ist wahrlich eine reise mit überraschungen. positive und auch negative....(japan lässt grüssen)...so hoffe ich doch sehr dass der wagen richtig repariert werden kann und ihr eure reise wie geplant fortsetzen könnt. es geht ja mit riesenschritten dem ende entgegen....unglaublich wie die zeit rennt.ich habe mich, so glaube ich, bei euch noch nie bedankt für das tolle käsemesser aus kanada...herzlichen dank dafür. es verrichtet schon wacker wertvolle dienste.
    wenn man die bilder ansieht kommt man aber schon ins schwärmen und man könnte fast ein bisschen neidisch werden. bei uns will ja der winter kaum enden und so hoffen wir dass es nun mit dem angehenden märz bald ändert..
    herzliche grüsse aus sursee und weiterhin alles gute.

    walter

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