Mittwoch, 13. Februar 2013


18. Bericht: Von Ayacucho an die Küste, wieder hinauf ins Hochland nach Cusco/Macchu Pichu und über Puno und Arequipa in den Norden Chiles

15.1. - 30.1.2013 / 3750 km

Liebe Freunde

Schon (zu) lange habt ihr nichts mehr von uns gehört, höchste Zeit also für einen (oder zwei) neue Berichte von unseren letzten, sehr intensiven 4 Wochen. Inzwischen sind wir bereits weit nach Süden vorgestossen und sitzen im warmen Mendoza, der Weinhauptstadt Argentiniens. Doch jetzt zurück nach Ayacucho, wo unser letzter Bericht endete.

Nach einer regnerischen Nacht rollten wir los, hoch und immer höher, bis zum 4750 m hohen Abra Acheta Pass. Die Kupplung unseres Nissans schliff zwar teilweise recht bedrohlich, doch er schaffte es zum Glück noch über die folgenden, über 4000 m hohen Pässe.



Die Luft war herrlich klar und die in den verschiedensten Farben leuchtenden, mit frischem Schnee überzogenen Berge begeisterten uns total, ebenso wie die imposante Sinterterrasse.





Die Talfahrt an die Küste war teilweise sehr anstrengend, da wir durch eine über 600 m dicke Nebelschicht stechen mussten. Nach einem erfolglosen Abstecher nach Norden – auf der Suche nach einer Nissan-Garage – landeten wir beim Einnachten in Paracas

und bezogen auf dem Parkplatz des Luxushotels „El Libertador Paracas“ Quartier.


Am nächsten Morgen bestiegen wir ein Schnellboot, das uns in rasanter Fahrt zu den Islas Ballestas brachte. Aus dem Morgennebel tauchten die von Zehntausenden von Meeresvögeln bewohnten Inseln auf, der Guano schimmerte wie Schnee.


Bei herrlicher Sonne kurvten wir durch die pittoreske Inselwelt mit Pinguinen, Kormoranen, Seetölpeln und einer grossen Anzahl Seelöwen auf den Klippen und an den Stränden.

 












Nach dieser grossartigen Fahrt zogen wir weiter nach Süden und fanden in Ica

die dringend benötigte Nissan-Garage. Nach etwas Überredung erklärte sich der Service-Chef bereit, die Kupplung am folgenden Tag zu ersetzen. Ein erster Versuch mit „Generika“-Teilen schlug fehl, so dass ein zweiter Reparaturtag nötig wurde.

Wir bezogen Quartier im sehr gemütlichen, blitzsauberen Hotel Villa Jazmin (mit Pool)

und vertrieben uns die Zeit mit einem Besuch bei einem Weingut mit Pisco-Brennerei, in der wir die zumeist sehr süssen Weine und den Nationalschnaps Perus degustieren konnten.


Am zweiten Tag machten wir einen Abstecher zur sehr touristischen Oase Huacachina.




Am Nachmittag konnten wir dann die Wohnkabine wieder montieren und setzten unsere Fahrt mit dem guten – aber leider falschen! - Gefühl einer neuen Kupplung bei herrlicher Abendstimmung in Richtung Nazca fort.

Nach einer warmen Nacht beim – den Namen nicht verdienenden – Hotel Maison Suisse bestiegen wir eine kleine Propellermaschine


und bewunderten die faszinierenden, immer noch rätselhaften Nazca-Linien aus der Luft. Nicht alle Figuren waren so deutlich zu erkennen, doch Wal, Astronaut, Kolibri, Spinne und Hände waren klar zu sehen.






Vor der erneuten Fahrt ins Hochland besuchten wir die sehr beeindruckende Nekropolis Chauchilla, in der Dutzende von Mumien gefunden wurden, die in der extrem trockenen Wüstenluft perfekt erhalten blieben.





Nach 2-tägiger langer Fahrt über hohe Pässe und durch tiefe Schluchten – unter Anderem über den Rio Apurimac, Quellfluss des Amazonas –



vorbei an imposanten Sechstausendern, mit Guanacos, Lamas und dem grossartigen Inkastein von Saihuite





erreichten wir Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches.

Wir freuten uns, auf dem wegen des häufigen Regens der vergangenen Tage recht schlammigen Campingplatz unsere Reisefreunde Heidrun & Winfried wieder zu treffen, mit denen wir seither unterwegs sind.
Nach einer erneut feuchten Nacht erkundeten wir die imposante Inka-Festung Sacsayhuaman mit ihren riesigen, millimetergenau behauenen Mauerblöcken






und anschliessend die Opferstätte Qenqo, wo ein heftiges Gewitter losbrach.

Bei Regen fuhren wir nach Pisac und nach einem feinen vegetarischen Curry weiter hinauf zu den Inkaruinen. Die Sicht war zwar ziemlich eingeschränkt, doch der Nebel verlieh der Szenerie etwas Besonderes, Geheimnisvolles.



Nach einer weiteren Nacht mit starkem Regen erkundeten wir zu Fuss die Altstadt von Cusco. Der Rundgang begann natürlich an der Plaza de Armas, dem „Nabel der Inkawelt“, an dem die Strassen aus den 4 Reichsteilen zusammenliefen.

 
Nach einem Besuch des ausgezeichneten Museo Inca


ging's durch die Gassen der Altstadt, in denen viele Kolonialgebäude auf den alten Inkamauern erbaut wurden.




Immer wieder belästigt von aufdringlichen Strassenverkäufern zogen wir weiter zur Kirche San Blas mit ihrer wundervollen geschnitzten Kanzel

und schliesslich zum Qoricancha, dem zentralen Sonnentempel der Inkas, über den das Kloster Santo Domingo gebaut wurde und der erst vor gut 10 Jahren wieder ausgegraben und hervorragend renoviert wurde. Ein Schnitt durch eine Mauer gab einen sehr guten Einblick in die unglaublich präzise und dauerhafte Baukunst der Inkas, deren Gebäude alle Erdbeben unbeschadet überstanden.


Nachdem wir uns noch einen – mit 124 USD pro Person unglaublich teuren! - Platz im Zug reserviert hatten, fuhren wir nach Ollantaytambo (leider ohne unsere Reisefreunde, die wegen Winfried's Magen-/Darmgrippe in Cusco blieben) und bestiegen am nächsten Morgen früh die Bahn nach Aguas Calientes und dort einen von Dutzenden wartender Busse nach Machu Picchu. Anfänglich verhüllte Nebel noch diese grossartige, vor knapp 100 Jahren wieder entdeckte Inkastadt



doch nach einem Abstecher zum „Puente de los Incas“, einem der nur 2 Zugänge zu Machu Picchu, der unter einer senkrechten Felswand klebt und hervorragend kontrolliert werden konnte,


verzogen sich die Wolken immer mehr und wir konnten bei herrlicher Sonne durch die alten Gemäuer streifen. Durch's mächtige Haupttor


und das Palastviertel mit Sonnentempel und königlichem Palast



gelangten wir zum Tempelviertel mit dem geheimnisvollen „Intiwatani“, einem Granitblock, mit dem Sonnenlauf, Tageszeit, Sternbilder und Planeten bestimmt werden konnten.
 

Am Sonnenfeld vorbei, auf dem das grosse Inti-Raymi-Fest zur Sonnenwende gefeiert wurde,

führte der Weg zur Unterstadt mit dem Produktions- & Handwerkerviertel.


Auch Flora und Fauna, die in den alten Mauern gut gedeihen, gab es zu bewundern – unter anderem das für uns noch unbekannte Vizcacha, eine zur Familie der Chinchillas gehörende Hasenmaus.






Zum Abschluss stieg Ernst nochmals zum Aussichtspunkt hinauf, von dem aus sich Machu Picchu wie im Bilderbuch präsentierte.



Voll von diesen grossartigen Eindrücken bestiegen wir den Zug und rollten in weichen Sesseln durch das wilde Urubambatal mit dem braun schäumenden Rio Urubamba.


Auf der Rückfahrt nach Cusco zeigte sich die Cordillera Urubamba mit ihren vergletscherten Fünftausendern im herrlichen Abendlicht.



Nach 3 Tagen in Cusco zogen wir weiter nach Süden, zuerst durch's Tal des Rio Santa Rosa

über den Abra La Raya Pass – wo wir uns bei Strassenhändlern günstig mit Alpaca-Pullovern und -Schals eindeckten -

in den Altiplano und durch das beängstigende Verkehrschaos von Juliaca

nach Puno am Titicacasee, wo wir beim Erstklasshotel „Sonesta Posada del Inca“ neben Meerschweinchen und einem „häärzigen“ jungen Lama Quartier bezogen.




Bei strahlendem Sonnenschein unternahmen wir einen Ausflug zu den „Islas Flotantes“, den schwimmenden Schilfinseln, die heute praktisch nur noch als lebendes Museum für die Touristen gepflegt werden, aber trotzdem ein malerisches Bild bieten.






Wir hatten uns schon in Cusco entschieden, wegen der Regenzeit und den schlechten Pisten Bolivien zu umfahren und von Chile aus einen Ausflug zu den Lagunen und Salzseen im Süden Boliviens zu unternehmen. Also wendeten wir uns wieder in Richtung Küste und erreichten nach schöner Fahrt über den einsamen Altiplano Arequipa,

die auch nach unserem Eindruck schönste Stadt Perus mit ihrem Klima des „ewigen Frühlings“.

Auf einem ausgedehnten Rundgang bewunderten wir die vielen kunstvoll geschmückten Kolonialvillen und Kirchen der Stadt






und vor allem das einmalige, äusserst beeindruckende Kloster Santa Catalina, in dem Dominikaner-Nonnen während über 300 Jahren bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts vollkommen abgeschlossen von der Aussenwelt in einer „Stadt in der Stadt“ lebten.








Vom Besuch des „Museo Santuario Andino“, in dem die Mumie des auf dem 6300 m hohen Vulkans Ampato gefundenen Mädchens „Juanita“ ausgestellt ist, gibt es leider keine Fotos. Das Mädchen wurde zur Inkazeit vor etwa 500 Jahren einem Berggott geopfert – die hochalpine Archäologie der Anden hat inzwischen eine ganze Reihe weiterer Mumien von geopferten Kindern auf hohen Bergen gefunden.

Auf der Weiterfahrt nach Süden passierten wir die trockene Wüste Süd-Perus

überquerten problemlos die Grenze nach Chile

und bezogen in Arica direkt am Meer einen ruhigen Gratis-Stellplatz.

Nach einem Einschub-Tag in Arica,

an dem sich Winfried im Spital untersuchen liess (zum Glück mit der nicht beunruhigenden Diagnose Rippenfell-Entzündung) rollten wir durch die chilenische Küstenwüste weiter nach Süden, über Iquique mit seiner Riesen-Düne


zum einsamen Übernachtungsplatz bei den „Cerros Pintados“ unter weitem Himmel



und nahe der Geisterstadt an der nicht mehr benutzten Bahnlinie.


Vorbei an Chuquicamata, der grössten Kupfermine der Welt und durch den Norden der Atacamawüste

erreichten wir das Wüstenstädtchen San Pedro de Atacama, das Touristenzentrum Nord-Chiles mit seiner staubigen Wildwest-Atmosphäre.

Um 5 Uhr früh am nächsten Morgen zogen wir mit einer organisierten Tour los zu den dampfenden Tatio-Geysiren, die ihre Fontänen zwar nicht sehr hoch, dafür in grosser Anzahl in den Himmel schicken.




Nach einem Bad im warmen Pool

ging's zurück nach San Pedro, vorbei an friedlich grasenden Vicuñas,

mit Blick auf einen aktiven Vulkan

und mit Zwischenhalt bei der malerischen Kirche von Machuca.

Die nächsten 4 Tage waren wir auf einer grossartigen Tour durch das phantastische Hochland im Süden Boliviens unterwegs – doch davon mehr im nächsten Blog, da die vielen Bilder den Umfang dieses Berichtes bei weitem sprengen würden!

Euch in die winterlich kalte Schweiz schicken wir herzliche Grüsse aus dem sommerlich warmen Mendoza (30°C+),

eure Ernst & Vreni auf Panamericana






1 Kommentar:

  1. Liebe Vreni, lieber Ernst,

    ihr seid schon zu beneiden, auch wenn wir Winter haben und dieses Jahr viel Schnee und damit Ski und Rodel gut sind. Aber diese Eindrücke sind selbst für uns unvergesslich, auch wenn sie nur auf den Bildern und in den Texten lebendig werden. Großartig, dass ihr auch Reisefreunde gefunden habt, das gibt dem Ganzen vielleicht noch die Würze.

    Liebe Grüße

    Evi und Georg

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