11. Bericht:
Von Oaxaca ins tropische Tiefland zu den Mayastädten und zurück ins
Hochland von Chiapas und nach Guatemala.
15.10. - 29.10.2012 / 2000 km
Liebe
Freunde
Bei
herrlichem Wetter nahmen wir die kurvenreiche Strecke von Oaxaca über
die Berge unter die Räder, die uns bis auf über 2800m ü.M. hinauf
führte. Die Vegetation mit den vielen Föhren und „Alpenblumen“
und Temperaturen unter 15°C erinnerte uns sehr an zuhause.Vom Pass ging's sukzessive hinunter ins Tiefland des Gliedstaates Veracruz, Temperatur und Feuchtigkeit nahmen rasch zu. Grosse überschwemmte Flächen zeigten uns, dass die Regenzeit noch nicht ganz vorbei war.
Die „Autopista“ war trotz Gebühren streckenweise in katastrophalem Zustand, sodass Geschwindigkeiten von höchstens 60 km/h möglich waren.
In Anbetracht des tropischen Klimas verzichteten wir auf die Übernachtung im Camper und bezogen Quartier in Acayucan in einem Hotel mit Klimaanlage. Am folgenden Tag rollten wir auf etwas besserer Strasse über die dank Oelförderung boomende Stadt Villahermosa weiter und erreichten am Nachmittag Palenque, wo wir uns im Hotel Xibalba einquartierten.
Am folgenden Morgen stand mit der Maya-Stadt Palenque ein archäologisches Highlight auf dem Programm. Ab etwa 400 n.Chr. wuchs die anfängliche Bauernsiedlung zu einer der grössten und wichtigsten Städte in der präkolumbischen Zeit. Nach dem Höhepunkt von ca. 600 – 800 n.Chr. wurde die Stadt um 900 n.Chr. von den Mayas verlassen, unter Anderem wegen Übernutzung der Ressourcen, und der Dschungel überwucherte die Tempel, Paläste und Pyramiden. Bis heute ist nur ein kleiner Teil der Bauten ausgegraben und teilweise rekonstruiert, die jedoch einen guten Eindruck über die einstmals grossartige Stadt vermitteln.
Nach der ausgiebigen Besichtigung führte uns José „El Chivo“ auf einer Wanderung durch den dichten Dschungel, der die ausgegrabenen Bauten umgibt. Beim Geschrei der Brüllaffen stapften wir schwitzend vorbei an unzähligen, von tropischer Vegetation bedeckten Ruinen der ehemals blühenden Stadt.
Da die Mayastadt Tikal im Norden Guatemalas von Palenque aus besser erreichbar ist als von Guatemala City, entschlossen wir uns für eine 4-tägige Tour mit einem Privatbus, auf der wir noch zwei weitere Maya-Städte besichtigen konnten. Morgens um 6h holte uns ein Kleinbus ab, in dem zum Leidwesen von Markus bereits 7 Personen sassen, und führte uns nach Bonampak. Diese Maya-Stadt ist berühmt für ihre Stelen mit Skulpturen und ganz besonders für ihre realistischen, einzigartigen Wandmalereien, die farbenfroh kriegerische Ereignisse wie auch Feiern, Zeremonien und Rituale am königlichen Hof darstellen.
In einem Raum werden neben rituellen Tänzen auch Blutopfer der königlichen Familie am eigenen Leib gezeigt, die durch Perforation der Zunge bei Frauen (s.Bild) und des Penis bei Männern dargebracht wurden!
Mit dem Bus ging's weiter zum Rio Usumacinta, dem Grenzstrom zu Guatemala, und mit einem schnellen Boot über den Dschungelfluss - mit Krokodil! - nach Yaxchilan.
Wir genossen dank nur wenigen anderen Besuchern die ruhige Atmosphäre der direkt am Fluss gelegenen Ruinen dieser Mayastadt.
Nach der Nacht in einer einfachen Cabaña bei den Lakandonen
brachte uns Fahrer José zurück zum Rio Usumacinta. Nach Überwindung der Probleme mit einer fehlenden Quittung für das Visum von Brida & Markus setzten wir mit dem Boot hinüber nach Guatemala und Fahrer Jabello brachte uns über eine anfänglich üble Holperpiste, durch landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet – vor allem Maisanbau, aber auch Teakholz-Plantage -, sicher nach Flores am Petén Itza See.
Am folgenden Morgen hiess es sehr früh aufstehen, denn schon um 5 Uhr holte uns Jabello beim Hotel ab und führte uns nach Tikal, der wohl grössten und eindrücklichsten Stadt der Mayas. Anhand eines Modells bekamen wir einen ersten Eindruck über diese zu ihrer Blütezeit um 700 n.Chr. zwischen 50'000 und 100'000 Einwohnern zählenden Metropole,
die sich über eine Fläche von über 100 km2 erstreckte. Mit unserem Führer Manuel stapften wir zuerst über schmale Wege durch den Dschungel, wo wir eine vielfältige Flora und Fauna bestaunten, bevor wir die ersten Bauten zu Gesicht bekamen.
Von einem ersten Residenzbau über den Platz der Fünf Tempel und die grosse Pyramide steigerte sich die Spannung sukzessive,
bis wir den mit 70 m höchsten Tempel IV erreichten – und bestiegen. Von oben zeigte sich eindrücklich das Bild von Tikal heute: Dschungel, aus dem nur die wenigen, höchsten Bauten herausragen.
Den Abschluss der Führung bildete die Grosse Plaza mit dem häufig abgebildeten Tempel des grossen Jaguars, dem Tempel der Masken und der zentralen und nördlichen Akropolis.
Bei einer Rast konnten wir Ameisen beobachten, wie sie ein – für sie riesiges - Stück Cracker in ihren Bau abtransportierten.
Auf dem Rückweg zeigte uns der Dschungel weitere Facetten seiner einzigartigen Blumen- und Tierwelt.
Nach einer weiteren Übernachtung in Flores ging's auf einem anderen Weg zur Grenze in El Ceibo. Die Strasse wird offenbar intensiv von Drogenschmugglern benutzt, entsprechend häufig waren die Polizei- & Militärkontrollen. An der mexikanischen Grenze übernahm uns wieder José und brachte uns sicher nach Palenque zurück. Abends nahmen wir beim Nachtessen Abschied von Markus & Brida und am folgenden Morgen trennten wir uns nach knapp 5 Monaten auf gemeinsamer Reise mit schwerem Herzen von unseren Freunden. Da wir unseren Camper vor Ende November von Panama nach Kolumbien verschiffen möchten, mussten wir leider auf die Fahrt nach Calakmul und zu den Mayastädten um den Rio Bec verzichten.
Unterwegs schalteten wir einen Halt bei den herrlichen Wasserfällen von Agua Azul ein.
In San Cristóbal bezogen wir einen ruhigen Standplatz im Parque San Nicolas, wo wir bald in ein angeregtes Gespräch mit Winfried Peters und seiner Frau vertieft waren, die ebenfalls auf der Panamericana unterwegs sind. Den abendlichen Bummel durch die Stadt – mit Konzert von grosser Blasmusik - beschlossen wir mit einem feinen Essen im Hotel El Paraiso, das von einem Schweizer geführt wird (wir zogen aber einheimisches Essen dem auch angebotenen Fondue und Raclette vor!).
Auf guter Strasse rollten wir am nächsten Morgen hinunter ins 1000 m tiefer gelegene Chiapa del Corzo und bestiegen – leider mit etwas vielen anderen Leuten – ein Boot für die Fahrt durch den Sumidero Canyon. Diese grossartige Schlucht, mit bis zu 1000 m hohen, fast senkrechten Wänden, bietet Lebensraum für eine reiche Tierwelt mit Affen, Krokodilen, Iguanas, etc. sowie Hunderten von Wasservögeln und Geiern.
Nach einem weiteren Stadtbummel durch San Cristóbal und einer ruhigen Nacht zogen wir am folgenden Morgen weiter Richtung Guatemala. Nach einem Halt in Comitan mit Einkauf und Coiffeurbesuch von Ernst erreichten wir die Grenze vor 13h. Die Ausreiseformalitäten in Mexiko, inklusive Rückerstattung der 400 USD für die temporäre Einfuhrgenehmigung für's Auto dauerte nicht lange, und auch die Zollformalitäten in Guatemala schienen rasch abgeschlossen zu sein. Doch dann tauchten bei der Genehmigung für den Camper doch noch Computer-Systemprobleme auf, die uns gute 2 Stunden warten liessen.
Schliesslich klappte es und wir konnten, nachdem wir uns durch die enge, mit Marktständen vollgepfropfte Strasse des Grenzortes La Mesilla hindurch gezwängt hatten, die schöne Fahrt durch die Sierra de Cuchumatanes entlang dem Rio Selegua unter die Räder nehmen. Eine Enttäuschung blieb uns nicht erspart: Die verfluchten Topes – in Guatemala heissen sie Tumulos – sind auch hier beliebt!
Kurz vor Huehuetenango bezogen wir müde den wohl „stiersten“ Standplatz bei einem Hotel, der nicht nur laut, sondern auch teuer war.
So machten wir uns am folgenden Morgen bei herrlichem Sonnenschein früh wieder auf den Weg. Die Strasse führte durch recht dicht besiedeltes, hügeliges Gebiet, mit schönen Ausblicken in die Berge.
Bevor wir unser Tagesziel am Lago Atitlan ansteuerten, unternahmen wir einen Abstecher zum berühmten Markt von Chichicastenango. In regem Verkehr, vor allem mit vielen der farbenfrohen Busse (ehemalige US-Schulbusse) gelangten wir zum Städtchen, wo uns ein eifriger Mitarbeiter der INGUAT (Guatemalas Touristenbüro) in einen Parkplatz einwies. Dort durften wir unseren Camper für 6 Fr. (statt der anfänglich geforderten 10 Fr.!) während 2 Stunden neben einigen Ferkeln parkieren!
Der erste Besuch galt der Kirche Santo Tomas, bei der die Mayas auf der Treppe Rauchopfer für ihre Götter darbringen, bevor sie zum Gebet in die Kirche gehen.
Der Markt war sehr farbenfroh und lebendig – speziell der „Medizinmann“ mit Schlange um den Hals, der Augen-Glaskörper als Allerheilmittel anpries, gefiel uns -, doch die aufdringliche Art der Verkäufer stiess uns etwas ab. Wir stellten fest, dass wir wohl schon zu viele Einheimischen-Märkte auf der ganzen Welt erlebt haben und daher sehr anspruchsvoll sind.
Also zogen wir bald weiter und fanden in Panajachel direkt am Atitlan-See ein ruhiges Nachtquartier.
Nach einer recht verregneten Nacht zeigte sich die Sonne wieder und die Wolken gaben die Vulkane um den See mindestens teilweise frei.
Der Besuch im „Reserva Natural Atitlan“ hielt zwar bezüglich Schmetterlingen, Affen und Vögeln nicht ganz was der Reiseführer versprach, doch die Blumen waren, wie schon so oft auf unserer Reise, ein Highlight.
Da sich die Vulkane um die Mittagszeit doch wieder in Wolken hüllten, verzichteten wir auf eine Bootsfahrt und setzten uns – nach Besuch eines Internet-Cafés, in dem uns eine aufdringliche alte Verkäuferin unbedingt einen Schal verkaufen wollte -
und setzten uns in Bewegung in Richtung Antigua, das wir nach Einbruch der Dunkelheit erreichten. Im Park“Verde Eventos“ fanden wir noch Einlass und konnten dort drei sichere, relativ ruhige Nächte verbringen.
Der erste Tag in Antigua, der ehemaligen Hauptstadt des kolonialen Zentralamerikas, die 1773 von einem verheerenden Erdbeben stark zerstört wurde, war einem langen Bummel kreuz und quer durch die Stadt gewidmet. Viele der Dutzende von Kirchen und Klöstern, in denen Mönche und Nonnen im 17. und 18. Jhdt. ein angenehmes Leben führten, sind nur noch Ruinen, andere wurden teilweise restauriert.
Zusammen mit den Herrschaftshäusern gibt Antigua einen sehr anschauliches Bild einer Stadt im spanischen Kolonialreich ab.
Die drei über 3700m hohen, die Stadt umgebenden Vulkane Agua, Acatenango und Fuego zeigten sich fast den ganzen Tag wolkenverhüllt, doch abends konnten wir doch noch einen Blick auf den Agua und den immer noch aktiven Fuego erhaschen.
Am zweiten Tag unternahmen wir einen Ausflug zum etwas weiter weg liegenden Vulkan Pacaya, der bis Mai 2010 regelmässig grosse Mengen an Lava ausspie. Seither ist er mit Ausnahme von Dampf- und Schwefelwolken relativ ruhig, doch der 2550 m hohe Gipfel ist leider aus Sicherheitsgründen gesperrt.
So stiegen wir bis zu den Lavafeldern auf ca. 2200m hoch, und während unser Führer Marshmallows am Stecken in einer Lavaspalte briet, stieg ich allein bis zum Umkehrpunkt auf 2350m auf.
Am Montag nahmen wir Abschied von Antigua, füllten in Guatemala City unsere Gasflasche auf dem Vordersitz des Autos auf (da die Gastankstelle nur die Bewilligung für das Betanken von Autos hat!) und zogen danach rasch weiter Richtung Honduras. Da wir auf der gut ausgebauten Strasse zügig vorankamen, entschieden wir uns, noch am gleichen Tag über die Grenze zu fahren. Die Grenzformalitäten verliefen auch hier ohne grössere Probleme, doch Geduld braucht es einfach. In diesem Fall wollte der Computer die Quittung für die temporäre Importgenehmigung des Autos einfach nicht liefern.
Es war daher schon wieder dunkel, als wir den guten Übernachtungsplatz beim Aquapark des Hotels El Jaral erreichten.
Am nächsten Tag bestaunten wir „unsere“ letzte Maya-Stadt, das grossartige Copan – doch davon mehr im nächsten Bericht, da die vielen Bilder den Umfang sprengen würden.
Bisher sind wir sehr positiv überrascht über die problemlose Fahrt durch Zentralamerika, vor der wir bei der Planung grössere Bedenken hatten. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die weitere Fahrt bis ins als sicher geltende Costa Rica gut bewältigen werden.
Euch wünschen wir alles Gute und senden herzliche Grüsse aus dem zwar etwas feuchten, doch immer noch warmen Honduras in die winterliche Schweiz
eure
Ernst & Vreni auf Panamericana
Hallo Vreni, hallo Ernst,
AntwortenLöschenwieder einmal ein großartiger Reisebericht mit vielen Fotos. Selbst für uns ist diese Reise unvergesslich - wir fiebern mit! Schön, dass es in Mittelamerika bis jetzt problemlos läuft.
Vielen Dank auf diesem Wege für das Alaska-Messer, das uns Urs mitgebracht hat.
Keep on running!
Liebe Grüße
Evi und Georg
Wow, also ich muss unbedingt mal nach Mexico und Guatemala! Hammer, diese Maya-Ruinen. Und die Wandmalereien von Bonampak sind spektakulär - erinnert fast an etruskische Grabmalerei.
AntwortenLöschenWeiterhin eine gute und sichere Reise!
Liebe Vreni und Ernst
AntwortenLöschenVielen Dank für die Ansichtskarte aus Mexiko. Es hat mich sehr gefreut, von Euch zu hören.
Ich habe gerade den Blog angeschaut. Er ist sehr interessant. Es freut mich, dass es Euch gut geht.
Liebe Grüsse
Marlies Lustenberger
Grüsse auch von Rita und Margrit
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