Sonntag, 14. Oktober 2012


10. Bericht: Von Tucson nach Mexiko, durch die ganze Baja California und über's Meer via tropische Küste hinauf ins Hochland und nach Oaxaca.
21.9. - 14.10.2012 / 5600 km

Liebe Freunde
Schon gut 2 Wochen sind wir in Mexiko, und nach dem ersten, ziemlich heftigen Kulturschock haben wir uns schon gut an die im Vergleich mit Kanada und USA doch recht verschiedenen Sitten, Gebräuche und Lebensstandards in diesem Land gewöhnt.
Am 8. Okt. haben wir die hoffentlich schlimmste technische Panne dieser Reise erlebt: Auf der Fahrt zur Garage brach das Chassis von Bütis' Mazda und die Wohnkabine landete sehr unsanft am Boden! Dank einem hilfreichen und kompetenten Pannendienst konnte das Auto – nach Absetzen der Kabine – zu einem Karrosseriespengler transportiert und noch am gleichen Tag geschweisst und repariert werden. Nachdem Markus noch den falsch zusammen gesetzten Verbindungsstecker richtig montiert hatte, stand der Weiterreise nichts mehr im Weg.

Nun aber der Reihe nach, wie ihr es aus den früheren Berichten gewohnt seid:
Nach der erfolgreichen Retablierung in Tucson rollten wir durch die Wüste nach Südwesten zum ganz nahe an der mexikanischen Grenze gelegenen Organ Pipe Cactus Nat. Monument, wo wir einen schönen, einsamen Campingplatz mitten in den Kakteen bezogen.


Im Abendlicht spazierten wir auf einem informativen „Nature Trail“ durch die eindrückliche Kakteenlandschaft und genossen den wunderbaren Sonnenuntergang.



Nach einer erneut schweisstreibenden Nacht – kurze Kühlung brachten 2 Brausen mit unserer sehr wertvollen Solardusche – und schönem Sonnenaufgang erkundeten wir den schönen Park auf kurzen Fahrten zu Aussichtspunkten noch weiter.



Über Ajo mit seiner gigantischen, heute stillgelegten Kupfermine ging's wieder zurück auf die Interstate und über diese nach Kalifornien.


Unterwegs passierten wir mehrere Posten der Boarder Control, die unseren Camper nach geschmuggelten Mexikanern durchsuchten..Bei der Fahrt zum vereinbarten Campingplatz stieg in genau dieser Richtung eine riesige Rauchsäule in den Himmel, und schon bald sahen wir die Flammen des Waldbrandes.

Nach der Abzweigung vom Interstate Freeway überholten uns eine Reihe von Feuerwehrautos und beim schönen Campingplatz erklärte uns die Managerin in heller Aufregung, dass sie „in evacuation“ seien.. Also machten wir uns auf die Suche nach einem anderen Platz und fanden eine ruhige Bleibe am Lake Morena, einem See für die Wasserversorgung von San Diego.
Am nächsten Morgen machten wir uns sehr früh auf den Weg zur mexikanischen Grenze in Tecate. Nach Abschluss einer Haftpflichtversicherung und Rückgabe des grünen US Visumszettels liessen wir die USA hinter uns. Die ausnahmsweise elegante Kluft lohnte sich offenbar, denn wir wurden von den mexikanischen Zöllnern sehr zuvorkommend behandelt. Es dauerte zwar doch noch etwa 2 Stunden, bis alle Dokumente erstellt waren – vor allem die temporäre Importbewilligung für's Auto erforderte Geduld – doch alles verlief reibungslos.

In Tecate herrschte ein rechtes Verkehrschaos, so dass wir ohne Halt, nun in der Baja California weiter Richtung Ensenada rollten, auf deutlich schlechteren Strassen als in USA. In La Bufadora fanden wir einen Platz direkt am Meer – und wurden zum ersten Mal richtig vom Kulturschock erfasst, speziell was die sanitären Anlagen betraf! Das Bad im warmen Meer tröstete uns aber etwas darüber hinweg.

Am folgenden Morgen fuhren wir nach einem kurzen Besuch beim „Blowhole“ - das sich leider sehr ruhig verhielt – und einem diffizilen Kehrmanöver der Pazifik-Küste entlang Richtung Süden.


Auf der Fahrt durch das dicht besiedelte und extrem landwirtschaftlich genutzte Gebiet (mit riesigen Treibhäusern) kamen wir so richtig in den Genuss der verfluchten „Topes“ oder „Reductores“, also Strassen-Schwellen, die uns seither nicht mehr in Ruhe lassen. Sie sind überall zu finden, oft in Abständen von weniger als 100 m, manchmal ohne Ankündigung, und lassen einen bei zu schneller Fahrt an die Decke knallen!
Nach der eher enttäuschenden Landschaft wurde die Fahrt am folgenden Tag deutlich interessanter, als wir durch eine einsame Gebirgslandschaft den Parque Nacional de Desierto Central mit seinen imposanten Kakteenfeldern durchquerten.



 


In der „Oase“ San Ignacio erwartete uns eine schöne, aus Lavagestein erbaute Kirche im Kolonialstil und ein kleines Museum mit Kopien der grossartigen Felsmalereien in der nahen Sierra de San Francisco.



Auf der Weiterfahrt gerieten wir in Santa Rosalia am Golf von Kalifornien in starken Regen, und die Strassen waren rasch von braunem Wasser überflutet. Nach einer Mittagspause am kleinen, von vielen Pelikanen besuchten Hafen von San Bruno

fanden wir in Buenaventura direkt an der Bahia Concepcion einen einfachen, aber guten Platz bei einem Amerikaner mit mexikanischer Frau. Das Bad bei Regen im über 30 Grad warmen, herrlich klaren Meer war ein ganz besonderes Erlebnis.


 
Nach einem weiteren ausgedehnten Bad zogen wir zuerst der Küste entlang wieder ins Innere der Halbinsel - mit kurzem Halt bei Kakteen, auf denen Dutzende von Geiern sassen -

und suchten nach einem erneut etwas regnerischen Tag in Ciudad Constitucion nach einem Stellplatz. Beim ersten Versuch mussten wir vor einem Riesentümpel aufgeben, dann fanden Steinen wie üblich sehr einfachen RV-Park, dieses Mal bei einem Engländer.
Durch eine grosse Ebene und über hügeliges Gebiet erreichten wir nach Durchquerung einer Reihe von grossen Wasserlachen La Paz, die Hauptstadt des Gliedstaates Baja California Sur, wo wir die Plätze für die Fähre nach Topolabampo reservierten.

Nach Mittagspause am türkisfarbenen Meer

zogen wir weiter nach Süden und bezogen in Todos Santos einen recht vernachlässigten Übernachtungsplatz – die amerikanische Eigentümerin passte sehr gut dazu!
Der Pazifikküste entlang rollten wir auf guter 4-spuriger Strasse nach Cabo San Lucas, dem südlichen Ende der Baja California, wieder in den touristischen Mainstream. Im Hafen lag ein riesiges Kreuzfahrtschiff vor Anker, aus dem sich Massen von Leuten in die Stadt ergossen, und auf der Strasse wurden wir auf Schritt und Tritt von Verkäufern belagert.

Die Bootsfahrt zu den eindrücklichen Klippen war jedoch ein grossartiges Erlebnis.






Entlang der Ostküste ging's weiter nach San Juan del Cabo, ein Gebiet mit Dutzenden von Luxushotels und Tausenden von Ferienappartments und -häusern, das ganz in der Hand der US-Amerikaner ist und sehr an die Costa del Sol Spaniens erinnert. Wir zogen noch etwas weiter nach Norden und bezogen im ruhigeren Los Barriles Quartier im direkt am Meer liegenden Hotel Palmas de Cortez, während Büti's einen Tag am Cabo Pulmo mit riesigen Fisch-Schwärmen auf Tauchgang gingen.



Nach zwei erholsamen Tagen und drei dank Klimaanlage herrlich kühlen Nächten kurvten wir durch die Berge zurück nach La Paz und plazierten unsere PanamBox auf der grossen Fähre. Auf der an sich recht eintönigen Fahrt durch den Golf von Kalifornien konnten wir einen wunderbaren Sonnenuntergang geniessen.



Spät abends legten wir in Topolabampo an und fuhren nach einer weiteren kühlen Hotel-Nacht auf der Autopista (ohne Topes!) der Küste entlang nach Mazatlan, einem riesigen Badeort, der Acapulco den Rang abzulaufen scheint. Auch hier übernachteten wir wegen des immer noch feuchtwarmen Klimas im Hotel Azteca Inn.

Nach Kauf einer neuen Batterie für die Wohnkabine – die alte war nach kurzer Zeit und wenig Belastung schon wieder entladen – holperten wir durch die Stadt zurück auf die Autobahn und auf dieser in freier Fahrt weiter nach Süden. An der Laguna Sta. Maria del Oro, kurz nach Tepic, konnten wir eine Nacht in einem kleinen Paradies verbringen. Der herrlich warme und klare Kratersee lud zum Bade, was wir ausgiebig nutzten, und der gepflegte Park mit Palmen, Kaffeesträuchern und Passionsblumen begeisterte uns.



 
Die nächste Etappe führte hinauf auf die mexikanische Hochebene nach La Corona, südlich von Guadalajara, wo wir in einem „Parque Acuatico“ Quartier bezogen, wie auf den anderen RV-Parks in Mexiko praktisch als einzige Gäste. Von den verschiedenen Becken des Badeparks war nur eines zu etwa 2/3 gefüllt, dafür mit Thermalwasser. Die Nacht war dank der 1600 m ü.M. auch im Camper angenehm kühl.
Am folgenden Tag mussten wir uns die Autobahn mit fast 100 km Holperstrasse, übersät mit üblen Topes verdienen, danach ging's zügig nach Queretaro, wo wir beim 4-Sternhotel Flamingo einen ruhigen, zentral gelegenen Stellplatz mit Pool und tiptop sauberem WC & Dusche fanden.

Der abendliche Bummel durch das Stadtzentrum mit seinen wunderbaren Plätzen mit vielen Springbrunnen, herrlichen Bäumen und eindrücklichen Kolonialbauten begeisterte uns total, auch dank der entspannten Sonntagabend-Atmosphäre.





Auf dem Heimweg nach einem feinen Dinner konnten wir noch ein wunderbares „Son et Lumière“ geniessen (hier leider ohne Ton!).

Der folgende Tag ging mit der eingangs erwähnten Panne rasch vorbei. Mit dem frisch geschweissten Chassis des Mazda zogen wir weiter Richtung Teotihuacan. Unterwegs bestaunten wir die aus etwa der gleichen Zeit (800 – 1200 n. Chr.) stammenden Ruinen von Tula mit ihren eindrücklichen Monumentalstatuen.



In Teotihuacan bezogen wir bei starkem Regen Quartier im RV-Park und der nächste Morgen war ganz dem Besuch der riesigen Ruinenstadt mit ihren grossartigen Sonnen- und Mond-Pyramiden gewidmet.








Dank der neuen Autobahn, die Mexico City im grossen Bogen nordöstlich umgeht, gelangten wir zügig nach Cholula, einer Vorstadt von Puebla mit Hunderten von Kirchen. Nach längerer Suche fanden wir den RV-Park de Las Americas doch noch, auf dem ausnahmsweise zwei deutsche Weltreisende mit grossen Wohnmobilen standen.
Eine sehr hilfreiche Frau zeigte uns den Weg zur gewaltigen Pyramide von Cholula. Bei der Besteigung dieser heute ganz überwachsenen Pyramide – die mit ihren 300 m Kantenlänge mehr Volumen als die Cheops-Pyramide aufweist – zeigte sich der Popocateptl bei herrlich klarer Sicht. Vom Platz bei der auf dem Gipfel der Pyramide errichteten Kirche genossen wir einen prachtvollen Rundblick auf Puebla, die weite Ebene und den rauchenden Vulkan.

 


Nach einem Gang durch die von einem Labyrinth an Tunnels durchzogene Pyramide stärkten wir uns bei fritierten Heuschrecken – etwas gewöhnungsbedürftig!

Nach einer kürzeren Etappe mit Zwischenhalt in Tehuacan ging's an meinem Geburtstag weiter südwärts durch wolkenverhangene Berge über eine gute Strasse nach Oaxaca, der Hauptstadt des gleichnamigen Gliedstaates. Vor dem Besuch der Ruinen von Mitla überraschte mich Brida mit einer feinen Quarktorte, die wir gemeinsam genossen.

Die Paläste von Mitla – oder das was von ihnen übrig geblieben ist – zeichnen sich besonders durch ihre schönen Reliefs mit den vielfältigen Mustern aus.



Auch hier zogen die vielen herrlich blühenden Blumen unsere (vor allem Vreni's) Blicke auf sich.


Auf dem Rückweg nach Oaxaca liessen wir uns bei einer Mezcal-Distillerie erläutern, wie aus den Agave-Knollen der nach dem Tequila wohl bekannteste mexikanische Schnaps hergestellt wird – und natürlich degustierten wir den für unseren Geschmack etwas sehr rauchigen Saft auch. Die Liköre mit verschiedenen Aromen mundeten den Frauen dann schon viel besser.

In Oaxaca bezogen wir im Hotel Casona del Llano im alten Stadtzentrum Quartier. Nach einem feinen Geburtstagsdinner und erholsamem Schlaf fuhren wir per Taxi nach Monte Alban. Diese grossartige Anlage wurde von den Zapoteken, der ältesten mesoamerikanischen Kultur ab ca. 400 v. Chr. erbaut und war bis etwa 800 n.Chr. bewohnt. Für den Bau der Stadt wurde die Spitze des Berges abgetragen und eingeebnet.



Um grosse Plätze gruppieren sich eine Reihe von Palästen und Tempeln. Besonders beeindruckend sind auch die grossen, mit Reliefs geschmückten Steine und die im Museum ausgestellten Statuetten.




Auch hier begeisterten uns die wunderbaren Blumen und die vielen Kolibris, die sich an den grossen weissen Blüten gütlich taten.



 

Auf einem abendlichen Bummel durch Oaxaca liessen wir natürlich den Markt mit seiner Vielfalt an Farben und Gerüchen auch nicht aus.



Morgen geht's weiter Richtung Yucatan. Leider werden wir uns nächste Woche von Büti's trennen müssen, da sie wegen ihres angeschlagenen Autos und einer schweren Krankheit in der Familie von Yucatan zurück nach USA fahren und die Reise beenden werden. Wir müssen also die weitere Fahrt sehr zu unserem Bedauern allein unter die Räder nehmen.

Euch wünschen wir alles Gute, und senden euch herzliche Grüsse
 
eure Ernst & Vreni auf Panamericana

5 Kommentare:

  1. Holà ihr zwei Lieben

    Wieder einmal grandiose Bilder, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen! Je mehr Fotos wir von der Reise sehen desto umfangreicher werden unsere "Wunschdestinationen" auf unserer Reise-must-do-Liste! Wir sind sicher, dass noch vieles dazu kommen wird!
    Nach eurem Versuch der feinen Grillen ist mir zumindest nun auch klar, dass ich den Mut für das Probieren von exotische "Spezialitäten" (z.B. Schlangenschnaps, Babi guling oder Büffelhaut) definitiv geerbt habe.... ;-)

    Passt weiterhin auf euch auf und geniesst eure Reise! Wir freuen uns schon auf den nächsten Blog!

    Liebe Grüsse aus der kalten Schweiz
    Sarah & Thomas

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  2. Wenn zwei eine Reise tun können sie etwas erzählen.(Laut Adam Riese) Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und gute Gesundheit auf eurer Reise zum Südpol. Die Vogels aus Burgdorf an der Emme.

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  3. Salü Vreni und Ernst
    Zum Abschluss des heutigen Sonntags haben wir eure bisherigen Reiseberichte angeschaut, eine höchst eindrückliche Vielfalt! Die Oktober-Kalenderwanderung des NVR konnten wir bei herrlichwarmem Wetter, zusammen mit etwa 80(!) Personen, geniessen.
    Weiterhin gute Reise wünschen Annelis und Peter, Rusmu West.

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  4. Hallo Vreni, hallo Ernst,

    wir sind wieder zurück von unserer Tour de France und haben gleich noch Urs zum Geburtstag gratulieren können.

    Wieder ein beeindruckender Reisebericht, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Wo nehmt ihr bloß die Zeit her bei eurem täglichen Pensum an Wegstrecke, Besichtigungen, Wanderungen und Festmahlzeiten. Grandios!

    Schade, dass ihr nun allein weiter müsst, aber ihr werdet sicher neue Kontakte knüpfen und vielleicht auch mal eine Reisebegleitung für eine Teilstrecke finden. Good luck!

    Viele Grüße aus dem Teil der Welt, in dem bald Eis und Schnee regieren werden.

    Evi und Georg

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  5. hallo ihr lieben zwei,

    und wieder einmal schwelge ich in eurem album. tolle bilder, wunderbare landschaften, flora und die wundervollen berge...traumhaft schön. herzlichen dank für die tollen und ausführlichen berichte.
    ich habe am letzten sonntag ein tollen geschenk gekriegt von euch aus kanada. recht herzlichen dank, war eine super überraschung...
    nun ziehts euch wohl langsam aber sicher richtung sudamerikanischer kontinent und in die hohen berge...
    wünsche euch alles gute für die weiterreise alleine und einfach viel gfreuts und keine bösen überraschungen.
    bliibit gsund...
    liebe grüsse aus sursee

    walter

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