Freitag, 21. September 2012


9. Bericht: Von Page durch die Navajo Nation in die farbige und weisse Wüste und nach Tucson

8.9. - 20.9.2012 / 2800 km

Liebe Freunde
Hier folgt wie angekündigt die Fortsetzung des Berichtes Nr. 8.
Bei der Fahrt mit der Fähre hatte mir Chris einen Floh ins Ohr gesetzt – die Rainbow Bridge am Lake Powell, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Da Büti's auch einverstanden waren, mieteten wir uns ein Motorboot und brausten dank des 150 PS-Motors in zügiger Fahrt los.



Die Fahrt über den See mit den steil aufragenden Felsen und Tafelbergen, seinen unzähligen Seiten-Canyons und den vielen gemütlich dahin tuckernden Hausbooten war allein schon ein tolles Erlebnis.


Bei Meile 42 bogen wir in einen engen Canyon ab und legten bald an der Anlegestelle an. Nach kurzer Wanderung erreichten wir die imposante, weltweit höchste Naturbrücke. Die Navajos werden es Markus und mir hoffentlich verzeihen, dass wir unter der ihnen „heiligen“ Brücke durchgingen, um sie von der Sonnenseite zu fotografieren...



Nach einem Picknick im Schatten der Brücke legten wir wieder ab, um kurz darauf in einer kleinen, von steilen Felswänden gesäumten Bucht ein herrlich erfrischendes Bad zu geniessen.

Auf dem Rückweg tankten wir auf, nahmen ein zweites Bad im „Grotto Canyon“ und erreichten nach über 6 Stunden Bootsfahrt ohne Probleme wieder den Hafen in Wahweap.

Der Tag ging mit einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende und der nächste begann mit einem ebenso schönen Sonnenaufgang über dem Lake Powell.


Wir machten uns zeitig auf zur Wanderung in den Buckskin Gulch, einem der wenigen Slot-Canyons, die ohne Eintrittsgebühr oder Bewilligung begangen werden kann. Nach fast zweistündigem Marsch auf dem teilweise noch feuchten Flussbett durch verschiedene Geländekammern begann der eigentliche Slot-Canyon.



Durch die enge Schlucht bewegten wir uns vorsichtig vorwärts, streckenweise durch schlammige Tümpel watend. Als das Wasser dem vorangehenden Wanderleiter fast bis zur Hüfte reichte, kehrten wir um und kamen müde, doch sehr zufrieden wieder zum Camper.




Am folgenden Tag nahmen wir Abschied von Page und rollten auf einsamen Strassen durch die Halbwüste der Navajo Indian Reservation mit ihren kleinen, meist recht trist wirkenden Streusiedlungen. Im Canyon de Chelly bezogen wir auf einem einfachen, doch ruhigen Campground unser Nachtlager.
Gut ausgeruht erkundeten wir zuerst den Nordrand des imposanten Canyons, der zwischen ca. 600 und 1300 n.Chr. von den Anasazi Indianern bewohnt wurde. Diese bebauten den Grund des Canyons und wohnten in kunstvoll unter Überhängen der fast senkrechten Felswände gebauten Siedlungen. Im 14. Jhdt. wurde der Canyon verlassen, vermutlich wegen einer lang anhaltenden Dürreperiode, und die Spuren der Anasazi verloren sich.


Vor dem Mittag stiegen wir auf gutem Weg hinunter zu den Ruinen der „White House“ Siedlung auf dem Canyon-Grund, der noch heute von den Navajos landwirtschaftlich genutzt wird.




Zum Abschluss erwartete uns noch die imposante Felsnadel des Spider Rocks.

Am folgenden Tag ging die Reise weiter nach Süden. Nach einem kurzen Stopp beim Hubbell Trading Post, einem der ersten Handelsposten im Navajo-Gebiet, die noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist...

....stand die „Painted Desert“ im Petrified Forest Nat. Park auf dem Programm. Da der Himmel bedeckt und die Farben recht blass waren, zogen wir bald weiter zu unserem Nachtquartier in Holbrook, das sich wegen der nahe liegenden Linie der auch nachts stark befahrenen „Santa Fe Railroad“ als recht laut herausstellte...


Die Wolken verzogen sich zum Glück am nächsten Morgen und wir konnten die farbige Wüste bei einer kleinen Wanderung in der Blue Mesa und die imposanten versteinerten Bäume auf dem „Giant Log Trail“ bewundern.







Am gleichen Tag ging's weiter nach Südosten in die Berge des Gila Nat. Forest, wo wir in Glenwood einen sehr einfachen, dafür kostenlosen Übernachtungsplatz fanden.

Auf der Weiterfahrt passierten wir Silver City mit seinen gigantischen Kupferminen und die über ein grosses Gebiet verstreute Stadt Las Cruces mit stark mexikanischem Einfluss.
Nach Überquerung eines weiteren Bergriegels rollten wir hinunter auf die riesige White Sands Ebene, die neben dem Raketenversuchsgelände der US Army auch das – bedeutend kleinere - „White Sands Nat. Monument“ enthält.
Dieses Wüstengebiet besteht aus praktisch reinem Gips, der in den umliegenden Bergen ausgewaschen wird und in einen abflusslosen See fliesst. Beim Verdampfen des Wassers kristallisiert der Gips und wird anschliessend vom praktisch immer von Südwesten wehenden Wind verfrachtet und durch Reibung in Sand zerkleinert – je weiter weg vom kristallinen Gips umso feiner.


Bei unserer Ankunft zeigte sich der Himmel noch bedeckt, doch vor Sonnenuntergang strahlten die weissen Dünen in herrlichem Licht.



Das frühe Aufstehen am folgenden Morgen lohnte sich ebenfalls, wie die Bilder eindrücklich zeigen. Der ziemlich weite Bogen nach Osten für die White Sands war aus unserer Sicht sehr wohl der Mühe wert.




Auf der Rückfahrt nach Westen wählten wir einen etwas anderen Weg durch die Gila Mountains. Auf der kurvenreichen Strecke gingen wir leider mit einem viel zu langen Lastwagen in Tuchfühlung, der die Kurve schnitt, was zu einem zum Glück nur kleinen Kratzer an unserer Kabine führte.
Nach der Mittagspause im „City of Rocks“ State Park bummelten wir durch die „Gassen“ und „Plätze“ der aus versteinerter Lava-Asche skurril geformten Felsen.



Das Nachtquartier bezogen wir im „Kaff“ Lordsburg, es stellte sich dank Southern Pacific ebenfalls als sehr laut heraus. Obwohl die Bahnlinie einige Hundert Meter vom Campingplatz entfernt verläuft, drang das lange und durchdringende Hupen der Güterzüge laut bis zu uns durch. Zudem erschwerte der starke Wind am Abend das - immer häufiger werdende - Brotbacken und Grillieren sehr.
Auf der weiteren Fahrt nach Westen verliessen wir New Mexico wieder und unternahmen von Willcox, Arizona, aus einen sehr lohnenden Abstecher ins Chiricahua Nat.Monument. Beim Besuch im Visitor Center entnahmen wir dem Gästebuch, dass Jürg Gysi und Erika 5 Tage vor uns diesen Park auch besucht hatten!
Nach Bezug des sehr schönen und – wieder einmal - ruhigen Campingplatzes wanderten wir im Abendlicht durch herrliche Blumenfelder zum Sugarloaf Mountain, mit grossartigem Ausblick auf die unglaubliche Menge an verschiedenartig geformten Felstürmen. Diese Türme waren durch Erosion der weicheren Bestandteile in der komprimierten und versteinerten Vulkanasche, welche vor etwa 27 Mio. Jahren in unvorstellbaren Mengen (100 Kubikmeilen, 1000 Mal mehr als beim Ausbruch des Mt.St.Helens!) ausgestossen worden war.






Eine lange, spannende Wanderung am folgenden Tag durch den Echo Canyon und das „Heart of Rocks“ gab uns die Gelegenheit, die verschiedenen „Fels-Persönlichkeiten“ ganz aus der Nähe kennen zu lernen und zu bewundern.






Neben den unzähligen Eidechsen zeigte sich uns auch eine besonders schöne Heuschrecke, die für's Foto lange ruhig posierte.

Die gut 6-stündige Wanderung ging allerdings an die Substanz – speziell bei Vreni -, eine gute Portion Panaché und eine ruhige Nacht machten alles wieder gut.
Nach einer weiteren ruhigen Nacht bewegten wir uns weiter nach Westen und bezogen für 3 Tage im luxuriösen Rincon Country RV Park in Tucson Quartier, wo viele Amerikaner und Kanadier aus dem Norden den Winter verbringen.


Wir hatten schon lange geplant, vor dem Grenzübertritt nach Mexiko unsere Autos nach über 25'000 km in einen Service zu geben. Dieser erfüllte unsere Ansprüche an Gründlichkeit und Qualität zwar nicht ganz, doch mindestens laufen unsere Motoren nun mit frischem Oel und unser Nissan hat zwei neue Reifen auf den Hinterrädern.
Die Tage in Tucson gaben uns auch die Gelegenheit zum Ausspannen und Blog schreiben – die Berichte 8 und 9 entstanden weitgehend am schönen Pool des RV-Parks!

Heute Morgen unternahmen wir einen Ausflug in den Saguaro National Park und besuchten das grossartige Sonora Desert Museum. Diese Kombination von botanischem Garten und Zoo bietet eine hervorragende Übersicht über die Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die in der Sonora-Wüste vorkommen, welche ein riesiges Gebiet im südlichen Arizona, südöstlichen Kalifornien und nordwestlichen Mexiko einnimmt.


 


Neben den Coatimundis und Präriehunden (oben) faszinierten uns die grosse Anzahl der niedlichen Kolibris ganz besonders, die ganz nahe um uns herumschwirrten. Alle Versuche, sie im Flug scharf auf's Bild zu bringen, blieben chancenlos!





 
 

Die anschliessende Besuch im Saguaro Nat. Park mit seinen Tausenden von mächtigen Saguaro-Kaktussen fiel eher kurz aus, da die 38°C am Schatten – von dem es keinen gab! - nicht gerade zum Wandern einlud...
 




Morgen Freitag geht's weiter Richtung Westen, zuerst ins „Organ Pipe Cactus Nat.Mon.“ und dann nach Kalifornien. Mitte nächster Woche werden wir die USA verlassen und in Mexiko auf der Halbinsel „Baja California“ weiter nach Süden vordringen.

Auch wenn uns die Hitze in letzten Tagen etwas zugesetzt hat, ist nach wie vor keine Reisemüdigkeit vorhanden. Wir sind motiviert und sehr gespannt, was uns in Mexiko erwarten wird.

Euch wünschen wir alles Gute, etwas von der Sonne des südlichen Arizonas und senden euch herzliche Grüsse
 
eure Ernst & Vreni auf Panamericana

4 Kommentare:

  1. hallo ihr Zwei

    und wieder einmal schwelge ich in eurem blogg. einfach fantastisch die bilder, die fauna und die flora in diesem gebiet. danke herzlich den super fotografen. man kann nur bewundernd hinschauen und schwelgen....
    der bericht ist wieder mal sehr ausführlich und interessant...was man so alles erlebt...
    euch beiden weiterhin alles gute und unfallfreie fahrt, (ohne lastwagen-berührungen)!!. und herzlichen dank für die karte. sie ist angekommen.

    gruss aus sursee

    walter

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  2. Do you have a stone in your car??!
    White Sands: hammer! und erst die hübschen Kolibris!!
    wunderbar.

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  3. Hallo Ihr Lieben,
    habe nicht aufgegeben und alles versucht, Euch schreiben zu können - sogar ein Google Konto eingerichtet. Nun schient es zu klappen.
    Danke für das Mitreisen und weiterhin alles Gute für die nächsten Etappen in den Süden.
    Herzliche Grüsse, Monika

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  4. Liebes Vreni, lieber Enesto
    auch ich bin sprachlos, wenn ich sehe, was ihr alles erlebt. Vor allem bin ich auch begeistert, wie mutig und risikofreudig ihr unterwegs seid.
    Wir sind jetzt am Comersee und wandern.
    Ganz schön hatten wir es mit Sarah und Tom auf der Schatzalp und auf der
    Stafelalp. So, alles Liebe und Gute und viel Glück auf der Weiterreise.
    Herzlichst
    Irena und Pietro

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