Mittwoch, 27. März 2013


22. Bericht: Ushuaia – am Ziel unserer Reise-Träume!
Prudhoe Bay, 5.7.2012 – Ushuaia, 25.3.2013 / 45'000 km / >130 Breitengrade

Liebe Freunde

Unseren nächsten Bericht habe ich ja erst aus Buenos Aires angekündigt, doch die Ankunft am südlichen Ziel unserer Panamericana-Reise ist schon einen kurzen Eintrag wert..!

Von Bariloche rollten wir in zügiger Fahrt ohne die geringsten Probleme südwärts, zuerst auf bekannten Pfaden bis Esquel, dann quer durch die einsame Pampa mit mehr Guanacos als Menschen


an die Atlantikküste.

Im Nationalpark Monte Leon liessen wir uns von der riesigen Kolonie mit Magellanpinguinen begeistern




und feierten ein kurzes Wiedersehen mit unseren Reisefreunden Heidrun & Winfried, die auf dem Weg nach Norden sind und uns mit einem feinen Nachtessen verwöhnten.
Nach einem faszinierenden Sonnenaufgang zogen wir weiter,

immer nach Süden, überquerten absolut problemlos die Grenze nach Chile und setzten mit der Fähre über die Magellanstrasse von Punta Delgada nach Puerto Espora über.


Nach einer ruhigen Nacht in der einsamen Pampa

ging's wieder nach Argentinien, und wir durchquerten die weiten Flächen Feuerlands mit den riesigen Rinder- & Schafherden,

Teichen mit Flamingos


und kamen am Montag, 25. März 2013, bei sonnigem Wetter und 11°C glücklich in Ushuaia, am südlichen Ende unserer Traumreise über die Panamericana an!




Wir waren von Prudhoe Bay ziemlich genau 9 Monate unterwegs, überquerten 130 Breitengrade vom nördlichen bis zum südlichen Ende des amerikanischen Kontinents – reich belohnt mit einer Vielzahl von grossartigen, bleibenden Eindrücken und Erlebnissen. Grosse Freude und ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit erfüllt uns, dass wir diese lange Reise gesund und ohne wirkliche Probleme erleben durften.

Morgen geht's nun seit langer Zeit wieder einmal nordwärts, über Punta Arenas und Calafate hinüber an die Atlantikküste. Nach einem Zwischenhalt auf der Peninsula Valdez sollten wir etwa am 9./10. April in Buenos Aires sein.

Euch schicken wir herzliche Grüsse vom „Fin del Mundo“, wünschen euch ein frohes Osterfest und freuen uns auf ein Wiedersehen,

Ernst & Vreni in Ushuaia






Donnerstag, 21. März 2013


21. Bericht: Bariloche – das lange Warten!
11.3. - 21.3.2013 / 0 km (>2500 km mit Mietwagen)

Liebe Freunde
Wieder ein Bericht, der von viel weiter südlich geplant war..! Ja, die letzten 20 Tage waren wirklich eine Gedulds- & Nervenprobe, die zum Glück jetzt ein gutes Ende hat. Die Ersatz-Radlager für den Nissan aus der Schweiz sind eingetroffen und montiert... Doch zuvor gab's eine Reihe von Hoffnungen, die immer wieder enttäuscht wurden. Dazu und zu unserem Programm während des langen Wartens einige nähere Informationen.

Beim Abschluss des letzten Berichts waren wir ja noch guten Mutes, dass die Radlager am Mo., 11.3. eintreffen würden.
Als am Montag immer noch die gleiche Nachricht bei der DHL Sendungsverfolgung zu sehen war – vom Zoll aufgehalten! - erkundigte ich mich bei DHL Argentinien. Von dort kam eine vernichtende Information: Das Paket kann nur vom Empfänger – als den ich in meiner Naivität den Garagisten Carlos Duprat bezeichnet hatte – gegen einen hohen Importzoll persönlich in Buenos Aires abgeholt werden!! Ich schäumte vor Wut und konnte das nicht glauben. Eine Erkundigung von Carlos bei DHL Bariloche bestätigte aber die Information leider... Es blieb also nichts anderes übrig als die Radlager wieder an den Absender zurück zu leiten – ein absoluter Irrsinn!

Am Nachmittag kam dann wieder ein Lichtblick auf, als Carlos uns sagte, er könne die passenden Ersatzteile in Argentinien bestellen und sie sollten spätestens am Fr.,15.3. bei ihm sein.

Also bummelten wir etwas durch Bariloche, mit seinem sehr auf argentinische Touristen zugeschnittenen Zentrum

und unternahmen gegen Abend einen Ausflug auf den „Cerro Otto“, mit herrlichem Blick über den Lago Nahuel Huapi und mit immer noch blühenden Blumen.





Wir beschlossen auch, wieder Auto zu mieten und uns die Wartezeit mit einem Ausflug zu verkürzen. Am Dienstag ging's los nach Süden, und nach einem Abstecher von El Bolson zum „Cabeza del Inca“

bezogen wir in Esquel im einfachen Bed & Breakfast „La Posada“ Quartier und buchten für den folgenden Tag eine geführte Tour für die „Excursion Lacustre“ in den Nationalpark Los Alerces. An herrlichen, blaugrünen Seen und Flüssen vorbei



ging's mit einer kurzen Wanderung zur Schifflände am Lago Menendez


und mit dem Schiff an vergletscherten Bergen vobei ins Herz dieses Parks, dem Alercen-Wald mit dem „Abuelo“, einer ca. 2600 Jahre alten Alerce (Fitzroya Cupressoides).



Durch den eindrücklichen Primärwald mit vielen blühenden Fuchsien und dicht mit Flechten bewachsenen Bäumen



wanderten wir zum imposanten Wasserfall des Rio Menendez.

Der Rückweg war zwar der gleiche, doch die klaren Wasser, die Berge und der Himmel leuchteten jetzt im schönsten Nachmittagslicht.




Ein Telefon mit dem Garagisten Carlos brachte die nächste Ernüchterung: Die passenden Radlager sind in Argentinien doch nicht erhältlich! Er nimmt jedoch Kontakt mit einem Kollegen in Chile auf, der ihm sagt, dass er auf Grund der Chassisnummer die richtigen Radlager hätte. Carlos sagt, er fahre am Freitag nach Osorno, um die Teile zu holen. Wir nehmen die Information zwar recht skeptisch auf, da uns bei Nissan Chile gesagt wurde, sie seien nicht erhältlich, doch wir können die, wenn auch nur geringe Chance nicht verpassen.
Also machen wir uns am nächsten Tag bei herrlichem Wetter wieder auf den Rückweg nach Bariloche, vorbei am Lago Futalaufquen und Rivadavia


und an den imposanten Bergen bei Cholila.

Da wir die Radlager in Chile entweder in Dollars – von denen wir keine mehr in Bar haben - oder in chilenischen Pesos bezahlen müssten, und in Argentinien nur argent. Pesos beziehen können, fragen wir in einer Wechselstube nach dem Kurs. Uns trifft fast der Schlag: Wegen der Schwäche des argent. Pesos beträgt der Aufschlag beim Wechseln über 50%! Also entschliessen wir uns, mit Carlos nach Osorno zu fahren und dort chilenische Pesos zu beziehen.

In der Nacht erwache ich und überlege, wie gross die Chance für die richtigen Radlager in Chile wohl sei.. Da ich sie als sehr gering einschätze, rufe ich um 4h nachts die Nissan- Garage an und bitte Herrn Stalder, die Radlager zur Sicherheit wieder zu bestellen – die ersten sind noch nicht aus Argentinien zurück...

Die Fahrt bei herrlichem Wetter über den Paso Samoré – über den wir ja 2 Wochen früher schon einmal her gekommen sind


vorbei an den Vulkanen Puyehue, Osorno



ist zwar sehr schön, doch in Osorno genügt ein Blick um festzustellen, dass die Radlager nicht passen! Offenbar hat Nissan in verschiedenen Kontinenten bei den gleichen Modellen nicht nur unterschiedliche Teile, sondern auch verschiedene Chassisnummern... So rufe ich also sofort Herrn Stalder an und bitte ihn, die Radlager erneut per DHL zu schicken, dieses Mal aber an mich und mit einem deklarierten Wert unter 1000 USD.
Wir hofften, dass das DHL Paket schon am Dienstag oder Mittwoch in Bariloche sein könnte, wenn es am Samstag aufgegeben wird. Doch weit gefehlt: DHL nimmt zwar am Samstag Pakete entgegen, abgeholt werden sie aber erst am Montag!
Da wir die Teile frühestens am Donnerstag erwarten konnten, mieteten wir wieder ein Auto und unternahmen einen weiteren Ausflug, dieses Mal nach Norden.
Vor der Abfahrt verabschiedeten wir uns noch vom sehr netten, humorvollen und für unsere Probleme verständigen Campingplatz-Besitzer

der mir anbot, ihm nach Rückkehr von seinem 10-tägigen Aufenthalt in Buenos Aires beim Laubrechen zu helfen, falls wir noch da wären..!

Durch das bereits bekannte Valle Encantada


geht's über einsame Strassen, meist Schotterpisten, entlang dem wunderschönen Rio Aluminé



zum Lago Aluminé. Beim Wegweiser zur mechanischen Werkstatt wird unser Entscheid, nicht mit den defekten Radlagern weiter zu fahren, als richtig bekräftigt – was für ein Disaster wäre es, mit einem blockierten Rad in der Pampa zu stehen, einige Hundert km von der nächsten Ortschaft entfernt und ohne Handy-Verbindung...!

In Los Pehuenes, direkt am Lago Aluminé, beziehen wir mit sehr komfortablen Hotel La Balconada Quartier

und machen uns am folgenden Tag auf den wunderschönen, einsamen „Circuito La Pehuenia“, erneut vorbei an herrlich blauen Seen und Flüssen, hier auch einmal mit Wasservögeln.
 



Pehuen ist die lokale Bezeichnung für die Araukarie, und von diesen ganz speziellen Bäumen, deren Nüsse von den Einheimischen eifrig gesammelt werden, können wir denn auch sehr viele bewundern.





Offensichtlich sind sie sehr anspruchslos und gedeihen gerne auf steinigem, felsigem Boden.


Zur Mittagsrast machen wir einen Abstecher zur „Bucht der Träume“, der zwar deutlich länger ausfällt als erwartet, sich aber nicht nur wegen der witzigen Beschilderungen
 nach 1 km:
 nach 2 km
 nach 3 km
 
 nach 5.5 km
 nach 5.8 km
 nach 5.9 km
und nach 6 km:


sondern auch wegen der wunderschönen Lage


und dem Bad im kühlen See

sehr lohnt. Vom See geht's weiter durch die einsame Pampa, zuerst bei warmer Sonne


später im kühlen Nebel, in dem einige richtige Gauchos ihre Herden von den Sommerweiden hinunter treiben


nach Zapala, wo wir im Hotel Hue Melen wieder eine gute Unterkunft finden. Der Blick in die DHL Sendungsverfolgung lässt wieder hoffen: Das Paket ist am Di. Morgen schon in Madrid und sollte am Mi. In Buenos Aires sein...

Wir ziehen am Dienstag wieder nach Süden und kommen nach 250 km Fahrt durch einsame Pampa

in den Nationalpark Lanin. Die letzten Nebel über dem Lago Huechalaufquen lösen sich gerade auf und geben den Blick auf den imposanten, 3500 m hohen Volcan Lanin frei.



Wir fahren dem See entlang, vorbei an einer malerischen Kapelle

mit Picknick am Strand mit schwarzem Vulkansand 

bis zum Ende der Strasse und steigen auf einem schönen Weg mit vielen Informationstafeln zur Flora hinauf zum 25 m hohen, tosenden Wasserfall „El Saltillo“.




Auf der Rückfahrt ziehen wieder Wolken auf und der Vulkan hüllt sich langsam ein.


Im Hotel Rio Dorado in Junin de los Andes können wir nachts hocherfreut feststellen, dass das DHL Paket schon in Buenos Aires ist und am folgenden Morgen zum Zoll geht. Also nichts wie los und zurück nach Bariloche! Dort angekommen, sehen wir, dass die Radlager vom Zoll bereits frei gegeben sind. Nach einem weiteren Telefon mit DHL Argentinien, die mit einer Transit-Zeit von nochmals 48 Stunden zwischen Buenos Aires und Bariloche rechnen, entschliesse ich mich zu einem kurzen „Ausflug“ nach Buenos Aires, um die Radlager persönlich dort abzuholen.
Das ist nun geschehen, die (richtigen!) Radlager sind da, wurden jetzt von Carlos montiert,


und morgen kann's weiter gehen – hoffentlich ohne neue Probleme!!!

Wir melden uns wohl erst aus Buenos Aires wieder, wo wir um den 10. April den Camper zur Verschiffung abgeben. Am 12.4. abends fliegen wir ab und am 13.4. sind wir um 21:30h in Zürich – wir freuen uns sehr auf Zuhause!!

Euch schicken wir herzliche Grüsse aus Patagonien und freuen uns auf ein Wiedersehen,
die sehr erleichterten

Ernst & Vreni auf dem Panamericana-Endspurt